Stefan Laxhuber
Interviews & Gastbeiträge in der Finanzpresse
Handelsblatt Nr. 040 vom 25.02.05 Seite 35
Die Ukraine ist der Überflieger im Osten
Politischer Umbruch lockt ausländische Anleger an – Tristesse am russischen Aktienmarkt
MATHIAS BRÜGGMANN HANDELSBLATT, 25.2.2005 KIEW/MOSKAU.
„Die Früchte der orangenen Revolution zu ernten“, empfehlen immer mehr Osteuropa-Experten. Die Rede ist von der Ukraine. Und in Kiew geben sich nach dem Wahlsieg des liberalen Oppositionsführers Viktor Juschtschenko Investmentbanker die Klinken in die Hände – in der Hoffnung auf durchgreifende marktwirtschaftliche Reformen und die Herausbildung eines starken Finanzmarktes. Dabei hat der ukrainische PFTS-Index im vorigen Jahr mit einer Verdreifachung den Moskauer RTS-Index, der 8,3 Prozent zulegte, um Längen geschlagen. Die Affäre um den Ölkonzern Yukos hatte den russischen Aktienmarkt belastet.
„Revolutionen ziehen Investoren an“, begründet Andrej Snigirjow, Chef der ukrainischen Tochter der Moskauer Alfa-Bank, den Run auf die Ukraine.
Der frei handelbare Anteil an börsennotierten Unternehmen liegt in der Ukraine gerade einmal bei sieben Prozent der gesamten Marktkapitalisierung von 20 Milliarden Dollar. Kiews Markt macht somit weniger als ein Zehntel des Moskauer Marktes aus. Das schreckt risikobereite Anleger wie Stefan Laxhuber, Herausgeber von „Der Ost-Investor“, aber nicht ab: „Die aggressiveren Investoren denken ernsthaft über eine Reduzierung in Russland und ein Aufstocken in der Ukraine nach.“ Zwar sei der ukrainische Aktienmarkt im Moment „heißgelaufen“, aber nach einer Korrekturphase böten sich mittelfristig „gute Einstiegsmöglichkeiten“.
Potenzial sehen dabei in der Ukraine und in Russland viele Fachleute, weil immer mehr Unternehmen an die Börse streben – um sich durch mehr Transparenz und den Einstieg unabhängiger Aktionäre unangreifbarer durch die Politik zu machen. Damit werden dann vor allem attraktive Nebenwerte außer den beherrschenden Öl-, Gas- und Stahltiteln handelbar. Vor allem wird der politische Umbruch in Kiew laut Laxhuber aber dazu führen, dass sich ukrainische Firmen künftig nicht mehr weiter arm rechneten. „Bisher sind ukrainische Unternehmen Weltmeister im Gewinn-Verstecken. Legen sie bald aber ihre Zahlen ehrlich vor, dann sind ukrainische Aktien auch keineswegs mehr teuer.“
……. Die ist nur ein kurzer Auszug. Der vollständige Text kann z.B. im Archiv der Verlagsgruppe Handelsblatt nachgelesen werden.
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Bulgarische Vouchers sind der Geheimtipp für Spekulanten
07. Februar 2003
Dass die Finanzmärkte der EU-Beitrittskandidaten lukrative Anlagechancen bieten, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Schon längst hat die damit verbundene Fantasie auch die Börsen der zweiten Beitrittswelle erfasst.
Allen voran gilt das für Bulgarien. Dort haben die Staatsanleihen seit September rund zehn Prozent an Wert gewonnen und trotzdem werden die Titel von Analysten, wie denen der WGZ-Bank, weiterhin zum Kauf empfohlen.
Enorm günstige Bewertung überkompensiert die Risiken
Doch die bulgarische Börse hat eine noch viel spannendere Wette zu bieten. Zumindest gilt das für risikobereite Investoren, die einen gewissen Pioniergeist mitbringen. Denn wer die Mühen bei der Informationsbeschaffung und der Eröffnung eines Kontos nicht scheut, der findet ein lukratives Betätigungsfeld. Zumindest für den Fall, dass die zugrunde liegende Rechnung aufgeht.
Für Stefan Laxhuber, Herausgeber des Börsenbriefes „Der Ostinvestor“ bietet sich echten Value-Investoren in Bulgarien ein wahres Paradies, das bisher kaum von ausländischen Fonds entdeckt wurde. Seinen Aussagen zufolge ist der Börsenplatz besiedelt mit etlichen Unternehmen, die eine vernünftige Bewertung, solide Wachstumsaussichten und eine vernünftige Eigenkapitalausstattung bieten.
Nachteile, wie ein noch immer nicht ganz behobenes politisches Risiko, Probleme mit der Korruption und ein oft eigenwillig agierendes Rechtssystem werden laut Laxhuber durch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis des Aktienmarktes von 1,5 wieder mehr als wettgemacht.
Etliche Privatisierungskandidaten
Richtig ins Schwärmen gerät der Osteuropaexperte, wenn er an die Chancen denkt, welche die so genannten Vouchers bieten. Diese im Zuge der Aufarbeitung des Kommunismus in der Bevölkerung als Entschädigung für den früheren Verlust an Eigentum verteilten Berechtigungsscheine sind das einzige Zahlungsmittel, mit denen die Anteile an den zur Privatisierung anstehenden Unternehmen bezahlt werden können.
Das Interessante ist dabei nun Folgendes: Die Vouchers haben einen Nennwert von eins. Das heißt, für zehn Vouchers erhält man eine Aktie zum Kurs von zehn bulgarischen Lev, der im Übrigen an den Euro gekoppelt ist. An der Börse sind die Vouchers derzeit aber noch immer für 0,25 Lev zu haben, obwohl sie rein rechnerisch einen Wert von einem Lev entsprechen.
Das Schöne daran ist: Es stehen demnächst einige Unternehmen zur Privatisierung an. Platziert werden soll unter anderem die DSK-Bank. Dabei handelt es sich um die bulgarische Sparkasse, die gemessen an der Bilanzsumme das zweitgrößte Institut des Landes und gemessen an der Zahl der Privatkunden sogar der Branchenprimus ist. Wie lukrativ die DSK-Bank ist, zeigt sich auch daran, dass sich ausländische Banken wie die ungarische OTP-Bank oder die österreichische Erste Bank um ein Anteilspaket reißen.
Ebenfalls weiter privatisiert werden soll die Bulgartabak Holding. Bei dem mit einem Marktanteil von 94 Prozent agierenden Tabakunternehmen beträgt die Zahl der frei handelbaren Aktien nur rund sieben Prozent, was auf 20 Prozent erhöht werden soll. An das Tor der Börse hatte fast auch schon die bulgarische Telekom geklopft. Doch der Verkauf von 65 Prozent der Anteile an die amerikanische Viva Ventures wurde in letzter Minute vom Gericht gestoppt, da man Unregelmäßigkeiten bei der Entscheidung vermutete.
Volkswirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs
Dieser Vorteil zeigt, dass die Wette auf die Vouchers vor Rückschlägen nicht gefeit ist. Doch Laxhuber lässt sich von solchen Rückschlägen nicht schrecken, denn er ist sich sicher: „Bulgarien wird und muss privatisieren.“ Dem pflichten auch die Analysten der WGZ-Bank bei. Sie sehen die gerichtlichen Hemmnisse als fast vollständig beseitigt an und glauben, dass der Verkauf unmittelbar bevorsteht.
Ansonsten berichten sie in ihrem neuesten Bericht zu Bulgarien eine Fülle positiver Nachrichten. Als Pluspunkte werden der im Jahr 2007 winkende EU-Beitritt, die Einladung zur Nato im Jahr 2004 und die Einigung mit dem Internationalen Währungsfonds, die jüngst zur Auszahlung einer weiteren Kredittranche führte, genannt.
Volkswirtschaftlich gesehen machen Bulgarien auch die erwarteten Wachstumsraten interessant. Diese werden von der WGZ-Bank für 2003 auf 4,2 Prozent und für 2004 auf 4,5 Prozent geschätzt, nachdem das Plus im Vorjahr 3,9 Prozent betrug. Als weiterer Vorzug fällt Laxhuber auch noch die Mentalität der Bevölkerung ein. Diese sei von einem gewissen Unternehmergeist geprägt. „Die Leute krempeln die Ärmel hoch und wollen etwas anpacken“, hebt er hervor.
Fundamentale Ausgangslage verspricht Potenzial
Wenn die Bulgaren wirklich Hand anlegen sollten, dann darf aber auch nicht vergessen werden, dass sie in den kommenden Jahren noch einiges zu tun haben werden. Denn die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor hoch und der Lebensstandard niedrig. Das bewirkt, dass die Bulgaren selbst unter den Balkanländern als die Konsummuffel gelten. Angesichts der Tatsache, das rund 65 Prozent des Haushaltseinkommens für Nahrungsmittel, Strom, Wasser, Heizung und Transport verwendet werden, ist das aber nicht weiter verwunderlich. Natürlich lässt sich aus diesem Zustand aber auch viel Nachholpotenzial herauslesen, das im Zuge des erwarteten Wirtschaftswachstums in den kommenden Jahren abgearbeitet werden könnte.
Vermutlich sind es Überlegungen wie diese, die Laxhuber in Bulgarien den spannendsten Aktienmarkt überhaupt wittern lassen. Seine großen Hoffnungen, die sich mit einer ähnlichen Ausgangslage im Baltikum bereits einmal materialisierten, spiegeln sich in seiner Performanceprognose wider: „Wenn die Politik nicht dazwischen funkt, sehe ich auf Sicht von vier Jahren ein Kurspotenzial von 500 Prozent.“ Mancher Spekulant, der die damit verbundenen Risiken einzuschätzen weiß, dürfte bei dieser Perspektive, selbst wenn sie sich nur teilweise erfüllen sollte, demnächst auf Pionierfahrt gehen.
Text: Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bulgarische Börse bleibt spannend für Anlagepioniere
23. Mai 2003
Im Februar hatten wir in dem Beitrag Bulgarische Vouchers sind der Geheimtipp für Spekulanten auf die Chancen am bulgarischen Aktienmarkt hingewiesen. An dieser positiven Grundhaltung hat sich nichts geändert. Der Markt hat zwar zwischenzeitlich auch einmal eine Verschnaufpause eingelegt, liegt seitdem aber immerhin mit rund 16 Prozent vorne.
Ohne natürlich gleichzeitig die Risiken eines Engagements wie das an einem umsatzarmen Markt wie in Sofia zu leugnen, wollen wir erneut die Chancen abklopfen, welche die bulgarische Börse bietet. Denn schließlich gelten die damals bestehenden Kaufgründe, wie eine tiefe Bewertung und die Phantasie im Zuge eines langfristig denkbaren EU-Beitritts noch immer. Wir haben dazu mit Stefan Laxhuber, Herausgeber des Börsenbriefes „Der Ostinvestor“ gesprochen. Laxhuber ist ein intimer Kenner des dortigen Aktienmarktes und rührt seit langem die Werbetrommel für die aus seiner Sicht stark unterbewertete bulgarische Börse.
Herr Laxhuber, was gibt es derzeit spannendes vom bulgarischen Aktienmarkt zu berichten?
Die bulgarische Börse ist in den vergangenen Monaten ganz nett gelaufen. Seit Dezember hat sie rund 35 Prozent gemacht. Zuletzt kam es aber zu einer Konsolidierung. Positiv zu werten sind die sehr gut ausgefallenen Unternehmenszahlen. Auch mein größter Favorit im konservativen Bereich, die Hotelkette Albena, macht da keine Ausnahme.
Weltweit bricht zwar der Tourismusbereich ein, aber Albena hat bereits jetzt für 2004 gut die Hälfte der Betten ausgebucht. 2003 sind alle Hotels der Ketten voll belegt. Die weiteren Kurschancen schätze ich hier als sehr hoch ein, obwohl der Kurs in den vergangenen 18 Monaten schon um rund 300 bis 400 Prozent zugelegt hat. Aber die Bewertung gemessen an der Marktkapitalisierung geteilt durch die Zahl der Hotelbetten ist bei einem Bettenwert von 1.800 Euro noch immer niedrig. So liegt dieser Wert bei der ungarischen Danubius bei rund 20.000 Euro und selbst das ist noch preiswert.
Allerdings ist bei Albena zu bedenken, daß etwa 40 Prozent der Betten noch nicht sehr hohen Ansprüchen genügen. Die übrigen sind aber größtenteils renoviert und Albena ist im internationalen Drei- und Vier-Sterne-Segment recht stark vertreten. Zwei Hotels befinden sich sogar im Fünf Sterne Segment. Rein von der Asset-Bewertung ist das Unterehmen günstig. Was noch zu wünschen übrigen lässt ist jedoch die Rendite, was aber damit zusammenhängt, daß Bulgarien noch ein Billigreiseland ist.
Wie haben sich zuletzt die Börsenumsätze entwickelt?
Wir konnten zuletzt beobachten, daß erstmals auch Privatanleger aus dem Ausland aktiv wurden. Das Verhältnis zwischen inländischen und ausländischen Käufern wird je nach Schätzung zwischen 90:10 und 70:30 zugunsten der Inländer gesehen. Auffällig war, daß zuletzt sehr viele extrem kleine Umsätze umgegangen sind. Für westliche Verhältnisse handelt es sich dabei zum Teil um lächerlich geringe Aufträge im Wert zwischen 20 und 30 Euro. Dahinter stecken Kleinanleger, die seit der Privatisierung dabei sind und jetzt einmal Kasse gemacht haben. Von der Gebührenseite her gesehen ist dies kein Problem, denn die Gebühren liegen nur zwischen 0,5 und einem Prozent, wobei es keine Mindestgebühren und auch keine Abrechnungen für Teilaufträge gibt.
Wie sollten interessierte Anleger mit dem Problem der dünnen Umsätze umgehen?
Für größere Anlagebeträge eignet sich vornehmlich ein Engagement in den Vouchers, die einen Anspruch auf die vielen Staatsunternehmen verbriefen. Das ist das richtige Vehikel für größere Beträge. Bei Aktien ist ein direktes Engagement wegen der dünnen Umsätze schwer. Bei Vouchers kann man dagegen problemlos kaufen, da man hier bei der Marktkapitalisierung dreistellige Millionenbeträge vorzufinden sind und entsprechend hohe Umsätze vorliegen. Bei Albena haben sie im Vergleich dazu bereits Probleme, in der Woche 10.000 bis 15.000 Euro unterzubringen, ohne den Kurs zu bewegen. 100.000 Euro zu investieren sind hier eine längerfristige Sache oder man muß suchen, ob es ein Blockangebot gibt.
Was gibt es Neues zum Thema Vouchers zu berichten?
Von der Kursentwicklung hätte ich mir hier zuletzt etwas mehr versprochen. Aber die Privatisierungen von Bulgartabak Holding und Bulgarian Telekom sind wegen politischen Einwände verzögert worden. Den Kursaufschwung bei den Vouchers hat dies gebremst, langfristig bin ich aber sehr optimistisch gestimmt.
Bewegung gibt es aktuell bei der Bulgartabak Holding, die bereits mit 6,8 Prozent der Aktien börsennotiert ist. Hier sollten 80 Prozent der Anteile an die Deutsche Bank gehen, doch die Vorgabe, daß das Unternehmen fünf Jahre nicht verkauft werden darf, hat den Geschäftsabschluß kurzfristig noch Scheitern lassen. Die Privatisierung findet derzeit aber trotzdem gegen Rückgabe der Privatisierungsvouchers statt und rund 13 Prozent der Anteile kommen an die Börse. Das ist die größte Privatisierungsaktion seit rund einem Jahr. Es werden jetzt jede Menge Vouchers zurückgegeben. Durch so großen Aktionen wie bei Bulgartabak Holding werden die Vouchers knapp und steigen im Preis.
Warum kaufen große institutionelle Anleger die Vouchers nicht in großem Stil auf, wenn sie so interessant sind?
Die Deutsche Bank und die Allianz waren mit die größten Käufer. Aber das politische Risiko verhindert derzeit noch höhere Kurse. Schließlich ist es nie ganz auszuschließen, daß die Regierung hergeht und bekanntgibt, daß die Privatisierung abgeschlossen ist. Dann würden die restlichen Vouchers wertlos werden. Oder es gibt auch das Risiko, daß einzelne Privatisierungen gestoppt werden. Bulgarien hat sich aber dazu verpflichtet, die Unterehmen zu privatisieren und wie in Tschechien und im Baltikum über Vouchers abzuwickeln. Insgesamt schätze ich daher die Gefahr als gering ein, daß die Privatiserungen nicht weitergehen.
Text: @JüB
Börse Bulgarien mit Vollgas auf Höhenflug
05. August 2003
Richtig zur Sache geht es derzeit am hierzulande noch wenig beachteten bulgarischen Aktienmarkt. Alleine seit Ende Juli ist der Aktienindex Sofix von rund 290 auf 345 Punkte, und damit um fast 19 Prozent gestiegen.
Unsere früheren Hinweise (siehe Links) vom Februar und vom Mai auf die günstigen Kursaussichten an diesem Markt haben sich somit bezahlt gemacht. Denn seitdem belaufen sich die Zuwächse auf 63 Prozent und 41 Prozent. Noch besser sieht es langfristig aus.
Zur Erinnerung: Erst im April 2001 hat der im Oktober 2000 zu 100 Punkten an den Start gegangene Sofix die Marke von 100 Punkten nachhaltig hinter sich gelassen und befindet sich seitdem unterbrochen von gelegentlichen Verschnaufpausen auf dem Weg nach oben.
Markt noch immer günstig bewertet
Angesichts dieser Kursbewegungen war es an der Zeit, wieder einmal bei Stefan Laxhuber, Herausgeber des Börsenbriefes „Der Ostinvestor“, nach den Gründen für diese Aufwärtsentwicklung zu fragen. Dabei stellt sich heraus, dass der Bulgarien-Experte noch immer von dem Markt überzeugt ist, wobei sich an den Gründen für seinen Optimismus nichts wesentliches geändert hat.
In erster Linie pocht er auf die Unterbewertung bulgarischer Aktien. Diese würden im Zuge der Rückbesinnung der Anleger auf werthaltige Titel mehr und mehr entdeckt. Zumal EU-Beitrittskandidaten der zweiten Welle wie Bulgarien auch volkswirtschaftlich immer mehr Fortschritte vermelden könnten. Dies zeige sich auch an den fortgesetzten Hochstufungen der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen, was als Vertrauenssignal wiederum das Interesse der Marktteilnehmer verstärke.
Comdirect Bank so teuer wie der bulgarische Aktienmarkt insgesamt
Natürlich verhehlt Laxhuber nicht, dass der Markt nach den zuletzt starken Avancen demnächst auch wieder einmal den Rückwärtsgang einlegen kann und wird. „Die Kurse werden ausatmen und das vielleicht sogar heftig“, räumt er ein. Gleichzeitig bleibt er langfristig aber ausgesprochen zuversichtlich. Als Größenordnung, wohin die Reise gehen kann, nennt er eine Verzehnfachung des Kursniveaus in den nächsten zehn Jahren.
Zur Begründung verweist er auf das mit rund vier immer noch sehr niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtmarktes. Das spiegele sich auch an der Marktkapitalisierung von lediglich rund einer Milliarde Euro wieder. Die Bulgartabak Holding als größter Einzelwert bringt es dabei nur auf 100 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die im SDax notierte Comdirect Bank-Aktie ist mit ebenfalls einer Milliarde Euro ungefähr genauso hoch bewertet wie der bulgarische Aktienmarkt insgesamt.
Einige Titel glänzen mit sehr hoher Dividendenrendite
Das lässt natürlich Kursspielraum nach oben, und zwar speziell für den Fall, dass sich der langfristig angestrebte EU-Beitritt tatsächlich materialisiert. Verlockend an bulgarischen Aktien ist zudem eine mitunter unglaublich hohe Dividendenrendite. So kommt die Hotelkette Sunny Beach ungefähr auf eine Dividendenrendite von 20 Prozent, wobei zudem die liquiden Mittel die Marktkapitalisierung von rund 40 Millionen bulgarische Lev rund um das Doppelte übersteigen.
Allerdings ist hier zu bedenken, dass sich die Gesellschaft derzeit praktisch in Auflösung befindet, da sich das Management vom operativen Geschäft trennen will. Laut Laxhuber liegen alle Aktiva zusammen aber deutlich über dem aktuellen Aktienkurs.
Langfristig auch operativ interessant sind mit der Hotelkette Albena, dem Pharmakonzern Sopharma und der Tabakgesellschaft Blagoevgrad die drei größten Einzelfavoriten von Laxhuber. Bei allen diesen Werten verspricht sich der Bulgarien-Experte noch gehöriges Kurspotential.
Eigeninitiative ist gefragt
Chancen wie diese bekommen Anleger aber an den Finanzmärkten nicht geschenkt. Wer sich für bulgarische Aktien interessiert, muss mit vermutlich volatilen Ausschlägen und einer noch relativ geringen Transparenz leben.
Zudem kommt hinzu, dass man diese Werte nicht direkt in Deutschland handeln kann. Am sinnvollsten erscheint ein Konto vor Ort, aber das lässt sich mit etwas Eigeninitiative auch telefonisch von hier aus eröffnen. Geeignet ist dies aber nur für erfahrene Anleger, die auch bereit sind, sich auf dem Laufenden zu halten.
Text: @JüB
„Bulgariens Börse hat das größte Kurspotenzial“
05. November 2003
Die erste Beitrittswelle osteuropäischer Staaten zur Europäischen Union steht zwar erst noch bevor. Aber da die Börsianer gerne schon sehr früh in die Zukunft blicken, rücken aus Anlageüberlegungen heraus bereits jetzt die Länder der zweiten Welle in den Fokus des Interesses. So sind die Indizes in Bulgarien und Rumänien in den vergangenen zwölf Monaten schon um rund 200 Prozent gestiegen.
Offenbar zu Recht. Denn die EU-Kommission lobt ihn ihrem zur Wochenmitte veröffentlichten Fortschrittsbericht die Länder Bulgarien und Rumänien für ihre insgesamt erfolgreiche Vorbereitungsarbeit. Das macht es wieder etwas wahrscheinlicher, dass diese beiden Ländern zusammen mit Kroatien im Jahr 2007 zur EU stoßen werden.
Die daraus resultierende Phantasie dürfte die zuletzt zum Teil sehr gut gelaufenen Aktienkurse an diesen Börsen weiter beflügeln. FAZ.NET fragte Osteuropa-Experte Stefan Laxhuber, Herausgeber des Börsenbrief „Der Ostinvestor“ wie er die Aktienmärkte der Beitrittskandidaten der zweiten Welle beurteilt.
Herr Laxhuber, wie beurteilen Sie die Kursaussichten der Börsen in Bulgarien, Kroatien und Rumänien?
Generell habe ich zu diesen Märkten eine positive Einstellung. Wenn ich dabei eine Reihenfolge aufstellen müßte, würde ich dabei Bulgarien vor Rumänien bevorzugen und erst an dritter Stelle nach Kroatien blicken.
Welchen Nachteil hat der kroatische Aktienmarkt?
Auf die Volkswirtschaft halte ich zwar auch große Stücke, aber die kroatische Börse hat ganz einfach einen Bewertungsnachteil, was auch damit zusammenhängt, dass wir hier zwischenzeitlich einfach nicht so tief abgestürzt sind. Als Beleg für diese These muß man nur den kroatischen Pharmawert Pliva mit der bulgarischen Sopharma vergleichen. Pliva ist rund vier Mal so teuer, und das, obwohl das Unternehmen einseitiger ausgerichtet ist. Zu bedenken ist in Sachen Kroatien auch, dass in diesem Land die Wachstumsrate in den nächsten Jahren zwar noch relativ hoch bleiben dürfte, aber vom derzeitigen Niveau doch etwas nachgeben dürfte. Bulgarien und Rumänien sollte es aber gelingen, beim Wachstum konstant Raten von vielleicht über fünf Prozent realisieren zu können.
Was veranlaßt sie dann, Rumänien schlechter zu beurteilen als Bulgarien?
Der dortige Aktienmarkt ist zwar deutlich liquider als die Börse in Bulgarien. Aber auch hier spielen letztlich Bewertungsüberlegungen die entscheidende Rolle. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis in Rumänien auf rund neun zu veranschlagen ist, beläuft sich diese Kennziffer für den bulgarischen Gesamtmarkt auf unter fünf. Zudem ist die Korruption in Rumänien ein noch größeres Problem. Auch stößt man bei den bulgarischen Unternehmen verglichen mit Bulgarien zu oft noch auf taube Ohren, wenn es darum geht, Informationen über die Geschäftsergebnisse zu bekommen. Obwohl ich schon oft persönlich vorstellig wurde, gibt man sich häufig noch verschlossen. Ich hasse aber nichts mehr, als bei der Aktienanlage im Nebel zu stochern. Das läuft in Bulgarien oft ganz anders, weshalb ich dort das Chance-Risiko-Profil als interessanter erachte.
Welche Einzelaktien gefallen Ihnen besonders am viel gelobten bulgarischen Aktienmarkt?
Zu nennen sind die zunächst einmal die Touristikunternehmen. In meinem Musterdepot finden sich gleich drei Werte aus diesem Sektor. Als Standardwert schlechthin gilt davon vor allem Albena. Hier winken in den nächsten Jahren schöne Wachstumsraten, trotzdem ist die Gesellschaft auch nach massiven Kurssteigerungen noch immer erst mit umgerechnet 60 Millionen Euro bewertet. Chancen bieten sich auch im Tabaksektor. Hier gefällt mir besonders die Bulgartabac Holding. Deren beiden größten börsennotierten Töchter bringen eine höhere Marktkapitalisierung auf die Waage, und das, obwohl die Mutter nicht nur an ihnen sondern auch an 28 weiteren Gesellschaften beteiligt ist. Dieses Missverhältnis dürfte demnächst korrigiert werden. Interessant sind auch einige Holdings. Hier finden sich mitunter Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen 1,5 und 2. Allerdings sind diese Titel auch oft etwas illiquide.
Was versprechen Sie sich konkret von den besprochenen Märkten in den kommenden Jahren?
In Kroatien finde ich wenig spannende Einzelwerte, weshalb ich eher etwas zurückhaltend gestimmt bin. Rumänien sollte man derzeit sogar eher meiden, weil die Börse einen etwas überhitzten Eindruck macht. Richtig bullisch bin ich aber unverändert für den bulgarischen Markt.
Das Musterdepot zu Bulgarien in meinem Börsenbrief habe ich mit dem Ziel einer Performance von 1.000 Prozent eröffnet. Bei einem derzeitigen Plus von rund 240 Prozent seit der Auflage im November 2002 haben wir in sehr kurzer Zeit ein größeres Stück Wegstrecke zurückgelegt, als ich dachte. Bleiben politische Störfeuer aus und entwickelt sich die Wirtschaft weiter wie derzeit prognostiziert, dann kann der Aktienindex Sofix, der im Tief des Jahres 2002 bis auf 80 Zähler abgestürzt war und momentan bei rund 453 Punkten notiert, bis 2007 aber durchaus in einen Bereich zwischen 2.000 und 3.000 Punkten vorstoßen.
Das hört sich jetzt zwar nach einer gewagten Prognose an, ist aber aus den genannten Gründen machbar. Wer noch nicht engagiert ist, sollte derzeit aber nur mit einem Teil seines Geld investieren und das restliche Pulver für mögliche temporäre Kurskorrekturen trocken halten. Das Dumme ist nur, dass ich bereits seit einiger Zeit auf eine Reaktion nach unten warte, diese aber einfach nicht kommt.
Das Gespräch führte Jürgen Büttner
Die Börsen der EU-Nachzügler reiten schon auf der Konvergenzwelle
Vollständiger Text nachzulesen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2004, Nr. 209 / Seite 18
Kursentwicklungen an den Börsen vorherzusagen kann manchmal recht einfach sein – zumindest wenn einem Land der EU-Beitritt winkt. Denn dann laufen die Entwicklungen meist nach einem einheitlichen Strickmuster: Die Kandidaten bringen, angespornt durch das Fernziel EU, mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds und Finanzhilfen von der EU ihre Volkswirtschaften in Schuß. Die Folge sind steigende Wachstumsraten, sinkende Leitzinsen, höhere Unternehmensgewinne und sinkende Länderrisiken, die sich dann in besseren Kreditwürdigkeitsnoten der Ratingagenturen widerspiegeln. Dieses Spiel funktionierte bereits in Ländern wie Spanien, Portugal, Griechenland, Irland oder auch jetzt im Falle der erst im Mai beigetretenen neuen EU-Staaten. Dort sind die Prozesse nach diesem Strickmuster abgelaufen und bescherten den Börsen eine vergleichsweise gute Kursentwicklung. Und die Geschichte scheint sich nun ein weiteres Mal zu wiederholen. Das legt zumindest der Blick nach Bulgarien, Kroatien und Rumänien nahe. Diesen Ländern winkt im Jahr 2007 die EU-Mitgliedschaft. Aufbauend auf dieser Perspektive, entdecken immer mehr Anleger die Börsen dieser Länder.
Fondsmanager geben sich weiter optimistisch
Die Antworten der Kenner dieser Börsenplätze auf die Frage nach ihrer Einschätzung der dortigen Aussichten fallen jedenfalls erstaunlich konsistent aus.
…. Vollständiger Text nachzulesen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2004, Nr. 209 / Seite 18 …..
Trotz der eingefahrenen Kursgewinne sind die Aktien oft noch günstig
Derart starke Kurssteigerungen machen die rumänische Börse derzeit zum teuersten Aktienmarkt unter den EU-Nachzüglern. Allerdings scheint selbst hier ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von dreizehn für die Standardwerte noch nicht maßlos überteuert zu sein. Doch mit KGVs von sechs und acht schneiden die bulgarische und die kroatische Börse derzeit einfach besser ab. Wer sich manche Titel genauer ansieht, wird zudem feststellen, daß einige von ihnen deutlich unter Buchwert gehandelt werden.
…. Vollständiger Text nachzulesen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2004, Nr. 209 / Seite 18 …..
Relativ gut abgegrenzte Favoritengruppe
Fondsmanager konzentrieren sich deshalb primär auf die Chancen dieser Märkte, und bei der Suche nach interessanten Branchen und Einzelaktien kommen sie häufig zum gleichen Ergebnis. Als besonders aussichtsreich werden Branchen wie die Bauindustrie, die Banken- und Versicherungsbranche, die Tabakbranche, der Telekombereich und die Tourismusbranche gelobt.
…. Vollständiger Text nachzulesen in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2004, Nr. 209 / Seite 18 …..
Ein Eldorado für Anlagepioniere
Wie die steigenden Kurse und Umsätze beweisen, entdecken immer mehr Anleger diese Märkte. Im Ausland gibt es – anders als in Deutschland – bereits einige speziell auf die EU-Nachzügler zugeschnittene Aktienfonds. Mit Ausnahme des kroatischen Pharmakonzerns Pliva sind an den Börsen hierzulande aber nicht einmal Anteilsscheine in Form von ADRs von Einzelwerten aus den Ländern der EU-Nachzügler zu kaufen. Wer schon jetzt mitmischen will, muß sich folglich als Anlagepionier betätigen und direkt vor Ort aktiv werden. Für waschechte Börsianer mit Entdeckerblut ist aber genau das neben der Aussicht auf Kursgewinne die große Herausforderung.
Erschienen am 7.12.2004 / Seite 23 # Zusätzlich veröffentlicht in FAZ.NET am 27.10.2004
ADR-Programme sind mit Vorsicht zu genießen
Von Stefan Laxhuber, Experte für Emerging Markets und Herausgeber des Börsenbriefes „Der Ostinvestor
- Oktober 2004
Bei vielen an internationalen Börsen inklusive Deutschland gehandelten Papieren zu Werten aus den Emerging Markets handelt es sich nicht um Aktien, sondern um ADRs oder GDRs. Das ist deshalb wichtig zu wissen, weil diese Produkte mit spezifischen Risiken verbunden sind, über die sich nicht alle Anleger bewußt sind.Um den Sachverhalt zu verstehen, ist es zunächst wichtig, sich bewußt zu machen, was ein ADR oder GDR ist. Als ADRs (American Depositary Receipts) werden auf Dollar lautende, von amerikanischen Depotbanken (depositary banks) in Amerika ausgegebene Aktienzertifikate bezeichnet, die eine bestimmte Anzahl hinterlegter Originalaktien eines ausländischen Unternehmens verkörpern und an ihrer Stelle am amerikanischen Kapitalmarkt wie Aktien gehandelt werden.
Anleger sollten genau wissen, was sich hinter ADRs und GDRs verbirgt
Es gibt keine exakten Vorschriften, in welchem Verhältnis ein ADR zur Originalaktie zu stehen hat. Daher gibt es z.T. recht skurrile Bezugsverhältnisse, die sich bei Kapitalerhöhungen oder -verringerungen, Gratisaktien, Splits u.ä. auch noch im Laufe der Zeit ändern können.
GDR steht für „Global Depository Receipts”. Das Produkt ist vergleichbar mit einem ADR. Der Unterschied liegt darin, daß diese Depository Receipts nicht aus Amerika, sondern aus einem anderen Staat Land begeben wird. Ein ADR/GDR kann etwa nur dem Bruchteil einer Aktie, aber auch einer vollen Aktie oder einer Vielzahl davon entsprechen. So entspricht das hier gehandelte ADR auf die Aktie von Utd. Heavy Machinery einer Originalaktie, das von GUM zwei Aktien, das ADR von Lenenergo repräsentiert 80 Originalaktien usw.
Damit ist es noch nicht genug, es kommt noch verwirrender: Bei einigen Aktien notieren bekanntlich Vorzugs- und Stammaktien, und hier liegen oftmals unterschiedliche Verhältnisse zugrunde. So repräsentiert das hier gehandelte ADR der Surgutneftegaz Vorzüge 100 Original-Vorzugsaktien, das ADR der Stammaktien hingegen nur 50 Original-Stammaktien. Und bei dem ADR des russischen Mobilfunkbetreibers Vimpelcom sind es gar Bruchteile: 1 ADR repräsentiert 0,75 Originalaktien.
ADRs sind keine Aktien des Unternehmens
Wenn Sie ein ADR kaufen, dann kaufen Sie im Grunde nicht die Aktie, sondern ein Papier, herausgegeben von einer Bank (z.B. der Bank of New York), das einen Anspruch auf diese Aktien verbrieft. Laut Gesetz kann der jeweilige Inhaber eines ADRs jederzeit gegen Rückübertragung des Zertifikats an die Depotbank die Herausgabe der bei einer ausländischen Hinterlegungsbank (custodian bank), in der Regel der Zweigstelle der Depotbank im Sitzstaat des ausländischen Unternehmens, verwahrten Aktien bzw. deren Verkauf an der ausländischen Börse verlangen.
Ein wichtiger Grund für die Konstruktion von DR-Programmen liegt darin, daß bestimmte amerikanische institutionelle Investoren, wie staatliche Pensionsfonds, Lebensversicherungsgesellschaften oder Kreditinstitute, Beschränkungen hinsichtlich deren Investment in ausländische Wertpapiere unterliegen. Ein anderer Grund besteht darin, daß es für ausländische Unternehmen viel einfacher ist, ADRs an einer ausländischen Börse notieren zu lassen anstatt der eigentlichen Originalaktien. Da ADRs wie amerikanische Aktien behandelt werden, kann so ohne die Emission von Aktien auf dem amerikanischen Kapitalmarkt dieser von ausländischen Unternehmen genutzt werden. (Unterschieden wird außerdem zwischen unsponsored oder sponsored ADR-Programmen. Details dazu finden sich unter dem Link: Die Details von unsponsored oder sponsored ADR-Programmen
Kosten eines ADR/GDR
Bei vielen osteuropäischen und asiatischen Werten ist der Handel an der Heimatbörse erheblich liquider als in den ADR/GDR. Daraus resultiert in vielen Fällen ein engerer BID/ASK-Spread: Der Anleger bekommt also sehr oft einen niedrigeren Kaufkurs und einen höheren Verkaufskurs angeboten wie beim Handel in DRZertifikaten. Der Anleger zahlt also beim Kauf mehr und bekommt beim Verkauf weniger.
Gerade wenn eine Aktie/ein Markt „in” ist kommt es nicht selten vor, daß zudem die DR´s gegenüber den Originalaktien mit einem deutlichen Aufgeld gehandelt werden. Aufgelder von rund zehn Prozent sind oft die Regel; haussiert ein Wert oder ein Markt, kommen auch Aufgelder von 30 Prozent und mehr vor. Dreht die Stimmung hingegen, verkehrt sich das schnell ins Gegenteil: Beim Verkauf müssen dann teils erhebliche Abgelder in Kauf genommen werden.
Auch bei Dividenden muß der ADR/GDR-Anleger Abstriche hinnehmen. Die emittierende Bank behält zum Beispiel bei Dividendenzahlungen einen Teil als Gebühren ein. Ein Beispiel anhand der russischen Rostovenergo Vorzüge, die in Deutschland als ADR mit der ISIN US77853Q2075 gehandelt wird: Ein ADR repräsentiert hier 100 Originalaktien. Somit entsprechen 10.000 ADR 1.000.000 Originalaktien. Für das Geschäftsjahr 2003 zahlte das Unternehmen eine Dividende von 0,001684 Dollar je Aktie.
In unserem Beispiel erhält der Besitzer der 1.000.000 Originalaktien somit eine Dividende von 1.684 Dollar. Je nachdem, welche Verwahrstelle gewählt wurde, werden unter Umständen hiervon noch 15 Prozent russische Quellensteuer abgezogen, die bei einem deutschen Anleger gegebenenfalls wieder auf die Einkommen- bzw. Körperschaftssteuer angerechnet werden kann. Dem Besitzer der 10.000 ADR werden auf die Bruttodividende zusätzlich noch fremde Spesen abgezogen. In unserem Beispiel sind das 170 Dollar. Auch hiervon noch 15 Prozent russische Quellensteuer abgezogen, die bei einem deutschen Anleger ggf. wieder auf die Einkommen- bzw. Körperschaftssteuer angerechnet werden kann.
Fazit: Der durchschnittlichen Kleinleger kann den Abzug bei den Dividenden als vernachlässigbar ansehen. Ganz erheblich zu Buche schlagen können aber die Aufgelder beim Kauf und die Abgelder beim Verkauf !
Ganz persönlich komme ich jedenfalls zu folgendem Schluß: Überspitzt formuliert kaufen Sie beim ADR nicht die Aktie, sondern das Papier der emittierenden Bank und müssen darauf vertrauen, daß die Bank Ihnen auch tatsächlich die zugehörigen Originalaktien ausliefern kann. Wie wir aber bei Enron und Tyco gesehen haben, ist gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vieles möglich. Niemand kann mit Sicherheit garantieren, daß man sich bei der Bank of New York (oder einer anderen ADR-Bank) nicht verrechnet und mehr ADRs ausgibt, als tatsächlich an Originalaktien hinterlegt sind.
Skandale wie Enron oder der diversen Nemax-Unternehmen belegen eindrucksvoll, wie leicht sich die Mathematik verbiegen lässt. Nur – wer hierzulande ordern will, hat keine andere Wahl als den Griff zum ADR. Denn meist bekommen Sie die Originalaktien nur an den jeweiligen Heimatbörsen.
Viele Anleger sind der Ansicht, ein ADR/GDR wäre sicherer und billiger als der Kauf einer Originalaktie. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Es erfordert zwar einiges an Mühe, denn nicht jede Bank ermöglicht den Kauf von Originalaktien. Aber diese Mühe kann sich sehr schnell bezahlt machen.
Die Details von unsponsored oder sponsored ADR-Programmen
Eine Ausgabe von ADRs kann grundsätzlich in der Form von unsponsored oder sponsored ADR-Programmen erfolgen. Bei einem unsponsored ADR-Programm geht die Initiative allein von einer amerikanischen Depotbank oder einem Händler aus. Die Kosten für das ADR-Programm sind regelmäßig von den Investoren zu tragen. Darüber hinaus ist die Depotbank aufgrund des fehlenden Depotvertrages mit dem ausländischen Unternehmen nicht verpflichtet, Informationen des Unternehmens an die Investoren weiterzuleiten. Unsponsored ADRProgramme werden allerdings an vielen Börsen nicht zum Handel zugelassen, die Bedeutung ist daher recht gering.
Bei sponsored ADR-Programmen geht die Initiative vom Emittenten (also dem Unternehmen selbst) aus und wird von diesem in Zusammenarbeit mit der Depotbank realisiert. Dabei wird ein Depotvertrag (depositary agreement) geschlossen, der die Depotbank verpflichtet, die Ausgabe und Rücknahme von Zertifikaten, die Ausübung von Stimmrechten durch den amerikanischen Investor, die Weitergabe von Dividenden und Unternehmensinformationen und die Programmpflege zu übernehmen. Der Großteil der entstehenden Kosten bei sponsored ADR-Programmen wird von dem emittierenden Unternehmen getragen.
Nur sponsored ADR-Programme können in drei weitere Kategorien unterteilt werden: Level I, II und III-ADR.
Level I: Durch ein Level I-Programm kann für bereits existente Aktien eines Unternehmens ein Handel in den USA auf dem ungeregelten Over the Counter (OTC)-Markt initiiert werden. Hiermit kann jedoch weder neues Kapital aufgenommen noch das ADR an einer US-Börse notiert werden. Eine Registrierung der hinterlegten Aktien nach dem Securities Exchange Act (SEA) ist im Regelfall nicht erforderlich, da die ADRs eines Level I-Programms weder an einer US-Börse noch im NASDAQ-System gehandelt werden sollen. Bei der SEC müssen die im Heimatmarkt des Unternehmens veröffentlichten Informationen in einer englischen Übersetzung eingereicht werden. Der bedeutende Vorteil eines Level I-Programms gegenüber höhergradigen Programmen liegt in der fehlenden Verpflichtung zur Rechnungslegung nach US-GAAP.
Level II:
Für eine Notierung an einer geregelten USamerikanischen Börse (also nicht im OTC-Markt, in dem sich oftmals graue und schwarze Schafe tummeln) oder gar im NASDAQ wie die russische Wimm Bill ist mindestens ein Level II-ADRProgramm aufzulegen. Hierbei müssen u.a. die zugrunde liegenden Aktien nach den Bestimmungen des SEA bei der SEC registriert und die Berichts- und Offenlegungsanforderungen der jeweiligen Börse beachtet werden. Eine Registrierung verlangt umfangreiche Angaben über den Emittenten. Es sind Abschlüsse nach USGAAP vorzulegen, wesentliche Anteilsinhaber zu nennen und Angaben über die Vorstands- u. Aufsichtsratsmitglieder zu machen. Die Registrierung zieht zudem eine mindestens jährliche Berichtspflicht in vergleichbarem Umfang nach sich.
Level III:
Für die Aufnahme von Kapital durch die Emission neuer Aktien ist ein Level III-Programm erforderlich. Die Anforderungen entsprechen weitgehend dem eines Level II-Programms. Neben den Level I- bis Level III-Programmen besteht die Möglichkeit einer Privatplatzierung, die sich an institutionelle Käufer richtet. Eine Privatplatzierung hat für das Unternehmen den Vorteil, dass kein aufwendiges Registrierungsverfahren notwendig und kein Abschluss nach USGAAP erforderlich ist. Diese ADRs werden dann logischerweise nicht öffentlich an der Börse gehandelt.
Kapitalerhöhung bei NPR zeigt die Risiken
Viele Anleger sind der Überzeugung, mit dem Kauf eines ADR/GDR an einer deutschen Börse hätten sie mehr Sicherheit als beim Kauf der Originalaktie. Da ein ADR/GDR jedoch völlig auf dem Underlying (der Originalaktie) beruht, repräsentiert ein ADR/GDR dieselben Länder- und Unternehmensrisiken wie die zugrunde gelegte Aktie.
In der Regel kommen sogar noch zusätzliche Risiken hinzu, wie sich aktuell am Beispiel der Kapitalerhöhung bei der ukrainischen Gesellschaft NPR Nizhnedneprovsky Tube Rolling Plant zeigt. (1 ADR repräsentiert hier sechs Originalaktien. ISIN der ADR: US65486R1068)
Das Unternehmen führte eine Kapitalerhöhung durch. Stichtag war der 27.08.04. Wer zu diesem Zeitpunkt NPR-Aktien besaß, darf an der Kapitalerhöhung teilnehmen. Es werden 1,2 Milliarden neue Aktien emittiert, das heißt der Kapitalerhöhungsfaktor liegt bei 22,2696: Die Anzahl der Aktien steigt von 53.885.000 auf 1.253.885.000. Ergo bekommt jeder Aktionär die Möglichkeit, pro alter NPR-Aktie 22,2696 neue zu kaufen. Diese neuen Aktien werden den Altaktionären zum Nominalwert (0,25 UAH, umgerechnet 0,047 US$) angeboten.
ADR-Programm oder wie aus einem Gewinn ein Verlust wird
Nachfolgend die Rechnung für einen Aktionär, der 10.000 Originalaktien in Kiew gekauft hat. Wir nehmen die Kurse einen Tag vor dem Stichtag und runden für diese Berechnung der Einfachheit halber auf 1,00 Dollar. (Die Aktie notierte recht volatil in einer Bandbreite von 0,97 zu 1,10 Dollar)
Originalaktien: 1. Kapitaleinsatz für 10.000 Aktien = 10.000 Dollar. 2. Kapitaleinsatz für Teilnahme an der Kapitalerhöhung zum Bezug von 222.696 neuen Aktien: 222.696 x 0,047Dollar = 10.467 Dollar. 3. Ergibt insgesamt einen Kapitaleinsatz von 20.467 Dollar und eine gesamte Aktienzahl von 232.696 Aktien. 4. Aktueller Kurs der Aktien in Kiew: 0,20 Dollar. Ergibt einen Kurswert von 46.539 Dollar oder einen Gewinn von rund 130 Prozent.
ADRs: Da die Ukraine wie viele andere sogenannte Emerging Markets den Handel mit Bezugsrechten nicht kennt, haben die ADRs auf NPR Nizhnedneprovsky Tube Rolling Plant keine Möglichkeit, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. Der Anleger kann auch nicht davon auszugehen, daß die Bezugsrechte veräußert werden und der ADR-Besitzer eine Entschädigung erhält. Beim aktuellen Kurs von 1,10 Euro je ADR würde der ADR-Besitzer in diesem Beispiel einen Verlust von rund 77 Prozent erleiden.
Stefan Laxhuber, Experte für Emerging Markets und Herausgeber des Börsenbriefes Der Ostinvestor®
Erschienen am 2.12.2004 / Seite 25 # Zusätzlich veröffentlicht in FAZ.NET am 30.11.2004
Dies ist ein stark gekürzter Auszug! Der vollständige Text kann z.B. im Archiv der FAZ nachgelesen werden.
Ukrainische Aktien erscheinen günstig bewertet
„Die meisten Anleger zeigen Solidarität mit der Ukraine“
Der Kampf um die Macht in der Ukraine elektrisiert das ganze Land. Und natürlich diktiert die nach den Stichwahlen entstandene Pattsituation auch an den dortigen Finanzmärkten das Geschehen. Wie groß die Nervosität ist, zeigt sich an den herben Verlusten, welche die hierzulande gehandelten ukrainischen Euro-Staatsanleihen hinnehmen mussten.
Viele ukrainische Aktien sind sehr niedrig bewertet
Die Standhaftigkeit der engagierten Investoren lässt sich durch das große Gewinnpotenzial erklären, das im Falle einer friedlichen Lösung winkt. Denn unabhängig von den politischen Wirren ist der ukrainische Aktienmarkt fundamental gesehen durch ein sehr gutes wirtschaftliches Umfeld gesegnet. Die Wirtschaft expandiert im fünften Jahr in Folge und in diesem Jahr dürfte das Plus beim BIP sogar 12 Prozent betragen. So lauteten zumindest die Schätzungen vor Beginn der Demonstrationen und beim IWF wurde bei einer erwarteten Anstiegsrate des BIP von acht Prozent schon zuversichtlich auf das kommende Jahr geblickt.
„Die Rechtssicherheit in der Ukraine ist zwar ebenso wie die Abwicklung und das Settlement noch deutlich unterentwickelt. Aber selbst gegenüber den ohnehin schon niedrig bewerteten russischen Aktien haben viele ukrainische Werte ein Aufholpotenzial von 200 bis 800 Prozent”, erklärt Stefan Laxhuber, Herausgeber des Börsenbriefes „Ostinvestor” und intimer Kenner der ukrainischen Börse. So beziffert er das KGV auf Basis der für 2004 erwarteten Gewinne bei von ihm favorisierten Titeln wie dem Ölkonzern Ukranafta auf 3,1 oder dem Stahlhersteller Zaporozhstal auf 3,7. Wobei bei diesen ohnehin schon günstigen Relationen zu bedenken ist, dass die Gewinne 2005 weiter wachsen sollen.
Fakten wie diese lassen auch RZB-Analyst Gintaras Shlizhyus nicht unbeeindruckt. In der Begründung für seine Verkaufsempfehlung entschuldigt er sich praktisch für seine Entscheidung und räumt ein, dass „unter anderem Umständen die fundamentalen Rahmenbedingungen eine Kaufempfehlung rechtfertigen würden.”
Kurzfristig hängt alles am Ausgang der Krise
Bei der Beurteilung der weiteren Kursaussichten an der ukrainischen Börse hängt somit letztlich alles davon ab, ob es doch noch zu Blutvergießen kommt oder eine friedliche Lösung gefunden werden kann. „Ob und wann der Markt das vorhandene Kurspotenzial erkennt, bestimmen alleine die politischen Rahmenbedingungen ab”, räumt Laxhuber ein. Sollte es zu einer baldigen Normalisierung der Lage kommen, kann es zu einer regelrechten Kursexplosion kommen und im umgekehrten Fall natürlich zu entsprechend drastischen Kursabschlägen. Aber an die schlechte Variante wollte Tarabakin schon in der Vorwoche überhaupt nicht denken. „Die Stimmung auf den Straßen in Kiew ist friedlich und einfach unglaublich. Ich glaube fest an ein gutes Ende. Dass das Ganze zu einem Bürgerkrieg eskaliert, kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen.”
Sollte seine These zutreffen, hofft Tarabakin auf schnelle Kursgewinne in einer Größenordnung von 20 Prozent. Und in bestimmten Bereichen seien dann langfristig sogar noch größere Kursgewinne drin. Setzt sich Oppositionskandidat Juschtschenko durch, seien Versorger wie Zakhidenergo und Dniproenergo erste Wahl. Denn diese zuletzt schlechter als der Markt gelaufenen Titel dürften dann von der Aussicht auf eine baldige Reform des Versorgersektors profitieren. Doch diese Möglichkeiten zum Geld verdienen sind Zukunftsmusik, fürs Erste hat Tarabakin nur eine Bitte: „Sagt den Anlegern, dass sie so cool bleiben sollen wie die Demonstranten in Kiew.”
Orange Revolution acts as beacon to investors
By Tom Warner
Published: February 16 2005 02:00 | Last updated: February 16 2005 02:00
Standing between rows of transmission shafts on the expansive shop floor of a Ukrainian truck factory, Stefan Laxhuber, a German fund manager, watches intently as workers bolt the different pieces that make up a drive train on to big steel frames gliding slowly down the production line.
Some of their processes are very modern, and some are not,“ observes Mr Laxhuber. He was one of about 20 western European fund managers who recently took an excursion into Ukraine’s industrial hinterland guided by Concorde Capital, a local brokerage keen to encourage foreign investment.
They hope to be in the vanguard of a new wave of foreign investment in Ukraine, long one of the most overlooked markets of eastern Europe.
They are betting that Ukraine’s new pro-western president, Viktor Yushchenko, will move quickly to implement the sweeping economic liberalisation he is promising. Concorde calls it „Investing Orange“, after the Orange Revolution that helped to bring Mr Yushchenko to power.
The fund managers‘ first stop was AvtoKraz, a factory in Kremenchuk, central Ukraine, which makes super-heavy trucks that look as if they could have driven out of the 1970s. The company is growing quickly thanks to the recovering regional economy and a contract to supply 2,000 trucks to the Iraqi army.
Mr Laxhuber started buying Ukrainian equities in 2003, and since then they have doubled or tripled in value. „I’m looking to increase the Ukraine weight in my fund,“ he says.
Der vollständige Text kann auf der Website der Financial Times eingesehen werden:
http://news.ft.com/cms/s/87058ba0-7fbf-11d9-8ceb-00000e2511c8.html


