Georgia Capital

Die Aktie, die London noch immer nicht richtig versteht

Georgia Capital ist kein exotischer Zock, sondern ein börsennotierter Zugang zu georgischem Unternehmertum, Finanzsektor, Healthcare, Apotheken und Versicherungen. Gekauft in London, bewertet mit dem Misstrauen eines Marktes, der beim Wort „Georgien“ oft noch an Landkartenunterricht denkt…..

1. Warum gerade Georgia Capital?

Weil hier etwas passiert, das in entwickelten Märkten kaum noch zu finden ist: echtes Wachstum, disziplinierte Kapitalallokation und trotzdem noch ein Bewertungsabschlag. Wer Frontier Markets nur als billige Rohstoffbuden oder politische Lotteriescheine versteht, wird Georgia Capital wahrscheinlich übersehen. Genau das macht die Aktie interessant.

Georgia Capital PLC ist im Kern eine Investmentholding für Georgien: ein Paket aus dem börsennotierten Lion Finance Group-Anteil und mehreren privaten Marktführern oder starken Herausforderern in Bereichen, die in einem wachsenden Land fast zwangsläufig mitwachsen: Apotheken, Healthcare, Versicherung, Bildung, erneuerbare Energien und kleinere Spezialgeschäfte.

Das ist nicht sexy im Silicon-Valley-Sinn. Keine KI-Erzählung, kein Cloud-Gelaber, keine 50-fachen Umsätze. Sondern Menschen, die Medikamente kaufen, Versicherungen abschliessen, sich behandeln lassen, bezahlen, sparen, leihen und konsumieren. Langweilig? Vielleicht. Aber Langeweile mit Wachstum ist an der Börse oft profitabler als Glamour mit Fantasiepreisen.

2. Die Zahlen: NAV wächst nicht im Schneckentempo, sondern im Kaukasus-Tempo

Der NAV je Aktie erreichte per 30. Juni 2026 einen neuen Rekordwert von GEL 175.12 bzw. GBP 50.10. Allein im zweiten Quartal stieg der NAV je Aktie um 13.1% in GEL und 15.6% in GBP. Das ist nicht „ein bisschen besser als erwartet“, das ist für eine börsennotierte Holding eine Kampfansage.

Seit dem Demerger 2018 stieg der NAV je Aktie in GEL von 44.32 auf 175.12. Die ausgewiesene CAGR seit dem Demerger beträgt 20.1%; über fünf Jahre 26.3%; über drei Jahre 33.7%. Man muss lange suchen, um in Europa eine Investmentgesellschaft zu finden, die solche Zahlen liefert und trotzdem nicht wie eine Hype-Aktie bezahlt wird.

Im 2Q26 kamen die Treiber aus zwei Richtungen: Erstens stieg der Wert des Lion-Finance-Anteils stark. Zweitens lieferten die grossen privaten Portfoliofirmen operativ. Genau diese Kombination ist spannend: ein liquider, börsennotierter Bankenhebel plus private Unternehmen, die in einem kleinen, aber dynamischen Markt wachsen.

3. Portfolio: Nicht ein Asset, sondern ein georgisches Wachstumsbündel

Per 30. Juni 2026 bestand der Portfolio-Wert zu 46.9% aus Lion Finance Group und zu 53.1% aus privaten Beteiligungen. Die grossen privaten Beteiligungen verteilen sich auf Retail/Pharmacy mit 19.1% des Gesamtportfolios, Healthcare Services mit 12.7% und Insurance mit 11.3%. Emerging & Other liegt bei 10.0%.

Das ist wichtig: Georgia Capital ist nicht nur eine verkappte Bankaktie. Ja, Lion Finance ist gross. Aber die private Seite ist inzwischen mehr als die Hälfte des Portfolios – und sie wächst. Die grossen privaten Portfoliofirmen steigerten im 2Q26 ihre Umsätze um 19.1% und das EBITDA um 21.2%. Im Halbjahr lagen die Zuwächse bei 16.4% Umsatz und 23.9% EBITDA.

Retail/Pharmacy ist dabei der Cashflow-Arbeiter im Maschinenraum: 2Q26 EBITDA +22.3%, EBITDA-to-cash conversion 88.1%, Verschuldung nur 0.8x LTM EBITDA und GEL 11.9 Mio. Dividende an Georgia Capital. Healthcare wächst mit besserem Mix, mehr ambulanten Leistungen und höherer EBITDA-Marge. Insurance ist nicht glamourös, aber in einem wachsenden Markt oft ein unterschätzter Zinseszins-Baustein.

 

4. Das Management macht, was viele nur versprechen: Kapital zurückgeben

Ein von mir geschätzter Satz in einem Frontier-Market-Investment ist nicht „wir prüfen strategische Optionen“. Sondern: Wir kaufen eigene Aktien zurück, tilgen Schulden und geben Kapital zurück. Georgia Capital hat seit dem Demerger 16.7 Mio. Aktien für US$ 295 Mio. zurückgekauft und eingezogen – rund 35% des Aktienkapitals am Höchststand. Das ist kein Marketing, das ist Mathematik.

Das GEL 700 Mio. Capital-Return-Programm wird deutlich früher als ursprünglich geplant abgeschlossen. Dazu gehören die vorzeitige Rückzahlung lokaler Sustainability-linked Bonds und weitere Aktienrückkäufe. Gleichzeitig startet ein neues GEL 1 Mrd. Capital-Allocation-Programm bis Ende 2029. Mindestens die Hälfte soll in Kapitalrückführungen fliessen – Buybacks und möglicherweise Dividenden. Der Rest kann in Georgien und Armenien investiert werden.

Das ist der eigentliche Charme: Wenn die Aktie unter NAV notiert, kauft das Unternehmen sich selbst günstig zurück. Jeder vernünftige Investor sollte so etwas lieben. Es ist, als würde man einen Lari für weniger als einen Lari kaufen – nur dass der Lari hier aus wachsenden georgischen Unternehmen besteht.

 

5. Bilanz: Vom Risikohebel zum Netto-Cash-Profil

Noch vor einigen Jahren war Georgia Capital für viele Investoren eine Holding mit viel Discount, viel Misstrauen und sichtbarem Verschuldungsthema. Genau dieser Punkt hat sich massiv verändert. Das NCC-Verhältnis fiel per 30. Juni 2026 auf -2.9% – der beste Wert der Unternehmensgeschichte. Der HoldCo-Level soll nach der Bond-Rückzahlung schuldenfrei sein. S&P hat das Corporate Rating von BB- auf BB angehoben und damit auf das Niveau des georgischen Sovereign Ratings gestellt.

Auch die Veräusserung des Housing Development Business passt in die Story. Weniger kapitalintensiv, weniger Bilanzrisiko, mehr Fokus. Die Netto-Verschuldung der Emerging-&-Other-Beteiligungen ex Renewable Energy fiel dadurch um rund 49% bzw. etwa US$ 39 Mio.; Net debt/EBITDA verbesserte sich von 3.8x auf 2.0x. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine echte Entschlackung.

 

6. Georgien: Klein, ignoriert, aber wirtschaftlich erstaunlich robust

Frontier Markets sind nicht automatisch gute Investments. Viele sind billig, weil sie es verdienen. Georgien ist anders: klein, geopolitisch nicht risikofrei, aber wirtschaftlich bemerkenswert dynamisch. Nicht seit Jahren – seit Jahrzehnten. Das Land erzielte im 1H26 reales BIP-Wachstum von 7.9%. Die internationalen Reserven erreichten im Juni 2026 mit US$ 7.1 Mrd. einen Rekordwert, die Staatsverschuldung fiel auf 34% des BIP, den niedrigsten Stand seit 2014. Der Lari zeigte sich robust.

Für mich ist das ein klassischer Frontier-Market-Moment: Die grossen Fonds dürfen oder wollen oft nicht hinein. Die Liquidität ist ihnen zu klein, das Land zu unbekannt, die Research-Abdeckung zu dünn, die Story zu unbequem. Genau dort entstehen Chancen – nicht für Touristen, sondern für Investoren, die bereit sind, selber zu denken. Wie hier ausführlich beschrieben.

 

7. Bewertung: Der Markt glaubt es erst, wenn es fast vorbei ist

Der jüngste NAV liegt bei GBP 50.10 je Aktie. Der Londoner Aktienkurs lag zuletzt – je nach Tageskurs – weiterhin darunter. Beim LSE-Kurs von 41.70 GBP am 25. Juli 2026 entsprach das einem Abschlag von rund 17% auf den per 30. Juni ausgewiesenen NAV. Bei Kursen um 44 GBP schrumpft der Abschlag auf etwa 12%, ist aber immer noch vorhanden. Der Discount ist kleiner geworden, aber nicht verschwunden.

Hier liegt die einfache Rechnung: Wenn der NAV weiter zweistellig wächst und das Unternehmen zusätzlich Aktien unter NAV zurückkauft, muss der Anleger nicht einmal auf eine komplette Neubewertung hoffen. Discount-Schliessung wäre der Bonus. Der Grundmotor ist NAV-Wachstum plus Kapitalrückführung.

 

8. Risiken: Natürlich gibt es sie – wer anderes behauptet, verkauft Dir Märchen

Georgia Capital bleibt ein Frontier-Market-Investment. Die Risiken sind real: Geopolitik, kleine Marktgrösse, geringe Liquidität im Vergleich zu westlichen Blue Chips, Währungsrisiko GEL/GBP, Bewertungsrisiko bei privaten Beteiligungen, Konzentration auf Georgien und ein erheblicher Anteil von Lion Finance Group. Healthcare Services hat mit rund 3.5x Net debt/EBITDA noch eine höhere Verschuldung als das interne Ziel. Und bei privaten Bewertungen muss man immer nüchtern bleiben: DCF-Modelle sind keine Naturgesetze.

Aber Risiko allein ist kein Gegenargument. Die Frage ist, ob das Risiko bezahlt wird. Bei Georgia Capital sehe ich kein risikofreies Investment. Ich sehe ein wachsendes Portfolio, ein inzwischen deutlich stärkeres Finanzprofil, harte Buybacks und einen Markt, der noch immer nicht bereit ist, Georgien wie einen normalen Investment Case zu behandeln.

 

Fazit: Für wen ist die Aktie interessant?

Georgia Capital ist für Investoren interessant, die Frontier Markets nicht als exotische Beimischung für bunte Factsheets sehen, sondern als echten Renditetreiber. Wer nur maximale Liquidität, perfekte Governance-Illusionen und MSCI-Welt-Bequemlichkeit sucht, soll die Aktie ignorieren. Wer aber bereit ist, in ein kleines, wachsendes Land zu investieren, bevor es in den grossen Modellportfolios auftaucht, sollte sich CGEO sehr genau ansehen.

Meine zugespitzte Einschätzung: Georgia Capital ist einer der saubereren Wege, georgisches Wachstum über eine London-notierte Aktie zu kaufen. Nicht ohne Risiko. Nicht billig, weil alles schrecklich ist. Sondern noch immer günstiger, weil der Markt zu bequem ist, genauer hinzusehen.

Weiterführende Links:

Zum BLOG-Post über den georgischen Aktienmarkt


Quellen und Zahlenbasis

Hauptquellen: Georgia Capital PLC 2Q26 & 1H26 Results Call Presentation, 4. August 2026; Georgia Capital PLC 2Q26 and 1H26 Results, 4. August 2026. Marktdaten/Beispielkurs: London Stock Exchange / Investing.com / Fidelity, abgerufen Anfang August 2026. Zahlen gerundet. Keine Anlageberatung.