Mein Portfolio

Ein Blick ins Depot

Wie sieht eigentlich mein aktuelles Depot aus?

Meine kurzfristigen Trading-Ideen bleiben unter Verschluss. Hier geht es ausschließlich um Investments, die ich auf Sicht etlicher Jahre halte. Gleichzeitig schichte ich derzeit wieder mehr Kapital vom Trading ins Langfristdepot um. Die aktuelle Marktphase erinnert mich stark an die Zeit um die Jahrtausendwende.

Bevor Du weiterliest: Dies ist keine Anlageberatung. Und vorab unbedingt meine grundsätzlichen Anlagetipps beachten.

Zunächst Gratulation an Christian F., der die jüngsten Preisfragen ohne echten Preis souverän gelöst hat!

Mein liebster Sentimentindikator ist eindeutig: Kaum jemand möchte dieses Portfolio derzeit kopieren. Obwohl es von Monat zu Monat rapide zulegt.

Die Masse jagt NVIDIA oder Palantir hinterher. Viele Frontier Markets dagegen sind absurd günstig bewertet. Für mich ist das kein Problem, sondern die Gelegenheit.

Ich erwarte nicht, dass sich diese Fehlbewertung morgen auflöst. Es kann Jahre dauern. Aber genau so habe ich vor rund 30 Jahren begonnen, meinen Lebensunterhalt an der Börse zu verdienen.


Georgien

Mein absoluter Anker bleibt die heutige Lion Finance Group, früher Bank of Georgia Group.

Mein erstes Investment in diesem Land erfolgte 2004, als die gesamte Bank gerade einmal rund 20 Millionen USD wert war. Mein damaliger Anteil reichte sogar für einen Platz im öffentlichen Aktionärsregister.

Aus diesem Investment entstanden später unter anderem die heute separat börsennotierten Lion Finance Group und Georgia Capital. Zusammen bringen beide inzwischen eine Marktkapitalisierung von grob 10 Milliarden USD auf die Waage.

Von 20.000.000 auf rund 10.000.000.000. In 22 Jahren. Nicht schlecht für einen Markt, den damals praktisch niemand auf dem Radar hatte….

Rein technisch blieb meine Position allerdings nicht unverändert: 2004 kaufte ich direkt an der Börse in Tiflis. Als sich Liquidität und Handel zunehmend nach London verlagerten, zog ich mit.

Ein willkommener Nebeneffekt des Umzugs: weniger Diskussionen mit hiesigen Schweizer Banken, die es chronisch schlecht verkraften, wenn ein Kunde profitabler agiert als die hauseigene Vermögensverbratung. [Details zum Compliance-Irrsinn hier.]

TBC Bank und Georgia Capital befinden sich ebenfalls im Portfolio.

 

Usbekistan

Seit 2007 bin ich hier investiert. Viel zu früh und zwischenzeitlich ordentlich gebeutelt. Das ist Bestandteil des Risikomanagements.

Die makroökonomischen Vorzeichen haben sich inzwischen jedoch massiv verändert. Darüber habe ich bereits mehrfach [z.B. hier oder hier] berichtet. Beachte dazu auch meinen Vergleich Georgien vs. Usbekistan.

Usbekistans eingebauter Goldhebel

Usbekistan ist längst keine plumpe Ein-Rohstoff-Wirtschaft. Die Binnenwirtschaft wächst inzwischen breit genug, um bei fallenden Goldpreisen nicht automatisch in eine Rezession zu stürzen.

Trotzdem bleibt Gold für Außenhandel, Staatsfinanzen und Devisenreserven enorm wichtig.

Der IMF weist für 2025 Goldexporte von rund 13,9 Mrd. USD aus und erwartet für 2026 etwa 15,9 Mrd. USD.

Bei konstantem Produktions- und Exportvolumen ergibt sich damit überschlägig:

Veränderung Goldpreis Effekt auf Goldexporte
+10 % ca. +1,6 Mrd. USD
+20 % ca. +3,2 Mrd. USD
+30 % ca. +4,8 Mrd. USD
–20 % ca. –3,2 Mrd. USD
–30 % ca. –4,8 Mrd. USD

Das ist makroökonomisch alles andere als Kleingeld.

Der IMF führt die Verbesserung der usbekischen Staatsfinanzen 2025 ausdrücklich auch auf die hohen Goldpreise zurück: Das Fiskaldefizit sank auf rund 2,1 % des BIP, das Leistungsbilanzdefizit auf 3,9 %.

90 Prozent der Reserven sind Gold

Noch eindrucksvoller ist die Zusammensetzung der offiziellen Währungsreserven.

Stand 1. September 2026:

  • offizielle Reserven: rund 72,1 Mrd. USD
  • davon Gold: rund 64,9 Mrd. USD
  • physischer Goldbestand: rund 14,1 Mio. Feinunzen bzw. 439 Tonnen
  • Goldanteil an den Reserven: rund 90 %
  • Fremdwährungsreserven: nur rund 6,6 Mrd. USD

Die Größenordnung wird klar, wenn man die Rechnung umdreht:

Ein Goldpreisrückgang von 10 % würde den rechnerischen Wert der Reserven um etwa 6,5 Mrd. USD reduzieren. Das entspricht fast den gesamten heutigen Fremdwährungsreserven des Landes.
Das Umgekehrte gilt aber genauso!

Für meine usbekischen Aktien ist Gold daher kein Hedge im klassischen Sinn, sondern ein mächtiger makroökonomischer Puffer.

Hohe Goldpreise stärken Exporterlöse, Staatseinnahmen, Leistungsbilanz und Reserven und reduzieren damit den Druck auf den Sum. Die Zentralbank neutralisiert einen Teil dieses Effekts über ihr sogenanntes „neutrality principle“: Sie kauft die heimische Goldproduktion gegen Sum und entzieht die dadurch geschaffene Liquidität anschließend unter anderem durch Devisenverkäufe wieder dem Markt.

 

Kasachstan & Bulgarien

Kasachstan: Sämtliche Aktien aus meinem vorherigen Beitrag befinden sich im Depot. Einzige Ausnahme ist Air Astana. Deren Geschäftsmodell überzeugt mich schlicht nicht.

Bulgarien: Meine detaillierte Analyse des Marktes steht bereits in einem früheren BLOG Post.

 

Die DACH-Region

Diverse Einzelwerte aus der Schweiz sowie einige wenige aus Deutschland und Österreich ergänzen das Portfolio.

Der Schwerpunkt liegt hier klar auf Infrastruktur und Bau.

 

Brasilien, Vietnam, Argentinien und neu: Indonesien

Riesige Länder, große Märkte und umfassendes Analysten-Coverage.

Hier gilt für mich: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

Bei der Einzeltitelauswahl habe ich dort keinen belastbaren Informationsvorsprung gegenüber institutionellen Investoren. Warum also so tun, als hätte ich einen?

Die makroökonomischen Chancen überzeugen mich trotzdem. Deshalb kaufe ich per ETF einfach den gesamten Markt.

Beispiel Brasilien

Der US-ETF EWZ – iShares MSCI Brazil ist in New York extrem liquide und mit minimalen Spreads handelbar.

Trotzdem kommt er für mich nicht infrage.

Als US-domizilierter ETF schafft er unnötiges US-situs- und Nachlasssteuerrisiko. Zudem unterliegen seine Ausschüttungen bei mir der US-Quellensteuer.

Ich bevorzuge deshalb eine europäische UCITS-Variante mit Nicht-US-Domizil.

Dasselbe Prinzip gilt für Vietnam und Indonesien.

Und in Argentinien setze ich per ETF weiterhin konsequent auf den Kurs von Milei.

 

Gold?!?

Fehlt Gold im Depot – und das nach diesem BLOG-Post?!?!?

In der obigen Aktien- und ETF-Auflistung: ja.

Strategisch: nein.

Gold ist seit Jahrzehnten mein Portfolio-Hedge. Never trade your hedge.

Daneben handle ich Gold allerdings auch taktisch. Bei Kursen um 5.000 USD je Unze habe ich diese Positionen vollständig verkauft. Bei rund 4.300 USD wurden erste Positionen wieder aufgebaut.

Mein geplantes Zielvolumen ist noch nicht erreicht. Weitere Rücksetzer halte ich derzeit für deutlich wahrscheinlicher als einen sofortigen Durchmarsch auf neue Allzeithochs.