Bulgarien (& Rumänien)

Ein Frontier Market im €uroland ?!

2002 war Bulgarien billig und niemand wollte investieren.
2007 und 1.000% Kursgewinne später wollte plötzlich jeder hin.
2026 ist das Land Euro-Mitglied – und börsenseitig trotzdem wieder Frontier Market.

Bulgarien ist laut MSCI & FTSE Russel ein Frontier Market. Und zwar ein ziemlich ungewöhnlicher:

EU-Mitglied seit 2007. Euroland seit Januar 2026. Institutionell also mitten in Europa – börsenseitig aber noch immer weitgehend unter dem Radar:

Der bulgarische Aktienmarkt – hier anhand des Index SOFIX besprochen – hat in den letzten zwei Jahrzehnten extreme Zyklen durchlaufen. Ein Lehrbeispiel dafür, dass man als Investor nicht nur rechtzeitig kaufen – sondern eben auch verkaufen muss.

Als ich 2002 in den dortigen Markt investierte, lief der Markt sich grade warm. So konnte ich mit etlichen gut ausgesuchten Aktien von Wachstums-Unternehmen mehrere 1.000% Kursgewinn erzielen. Mit Privatisierungsvouchers waren relativ sichere, um nicht zu sagen fast risikofreie, 400% drin.

Wer Lust hat etwas in der Historie zu schmökern kann sich meine damals fast inflationären Gastbeiträge in der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) durchlesen. Etwa zu [Bulgariens Kurspotenzial], dem [Höhenflug der Börse] oder den [Privatisierungsvouchers] [oder] oder….

 

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Beachte, dass der obige Chart wie üblich linear und nicht logarithmisch ist (ein klassischer Anfängerfehler wenn es um Performance geht). Von meinem Einstieg beim Indexstand von 150 bis zu meinem Ausstieg bei 1250 liegen etwa 733% (nur im Index – gut ausgewählte Aktien erzielten ein Vielfaches davon). Nach dem EU-Beitritt beim Stand von 1250 bis zum ATH bei 1900 waren es nur noch 52%.

Nutzen wir diese Gelegenheit doch gleich mal zur finanziellen Weiterbildung. Hier derselbe Chart aber logarithmisch. Denn das ist das was wirklich zählt: Die prozentuale Performance:

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Ende 2006 bin ich aus dem Markt komplett raus.

Warum?

2007 trat Bulgarien der EU bei – und damit war ich am Ziel:
Ich war zu günstigen Kursen vor der grossen Masse rein. Ich bin wieder raus, habe meine Aktien an das zuvor ängstliche Lieschen Müller, Joe Public und die grossen Fonds verkauft als diese in den Markt gingen. Ich bin raus, nicht weil Bulgarien plötzlich ein schlechtes Investment wäre. Im Gegenteil: Die wirtschaftlichen Nachrichten wurden immer besser. Nur war genau das inzwischen jedem(!) bekannt – und in den Kursen angekommen. Das ist an der Börse der gefährlichste Moment.

Das Allzeithoch war im Oktober 2007. Dann kam was kommen musste. Was jeder selbst denkende und vorausschauende Ostinvestor hatte kommen sehen: Der Absturz. Bis zum Februar 2009 von 1.934,5 Punkten auf rund 256 Punkte ab – ein massiver Verlust von über 85 % seines Wertes.  Dass der Absturz kommen würde war klar. Dass er derart heftig werden würde nicht. Auch nicht die lange Stagnationsphase von 2010 – 2020. Es war einfach zu viel dummes Geld investiert.

 


 

Inzwischen ist alles verdaut und die Börse nimmt einen neuen Anlauf. Mit getrieben durch die €uro-Einführung – auch wenn das für mich als Argument nicht zählt: Denn schon im Juli 1997 – also vor fast 30 Jahren – wurde die bulgarische Währung 1:1 an die DM (Deutsche Mak) gekoppelt. Als die DM abgeschafft wurde, blieb die Koppelung erhalten, dann eben zum DM-€uro Umrechnungskurs. De facto hat also Bulgarien seit Juli 1997 keinen Wechselkurs mehr und die €uro-Einführung war eher ein formaler Akt. Aber nun denn – die professionellen Analysten hinter ihren Schreibtischen begeistert das.

Heute (August 2026):
Der Index hat sich in den letzten Jahren wieder deutlich erholt und befand sich zuletzt in einem stetigen Aufwärtstrend. Im Juli 2026 schloss der SOFIX bei 1.298,1 Punkten und stieg im August 2026 in den Bereich um 1.360 Punkte. Damit hat er sein Niveau von vor der Finanzkrise noch nicht wieder ganz erreicht, konnte aber seit den Tiefständen 2009 erheblich zulegen.

 

Ich bin seit einiger Zeit wieder dabei.
Und habe vor, das auch zu bleiben.

 

Warum jetzt wieder?

Kurzgefasst: €uro seit 2026, MSCI-Aufnahme in die Frontier-Familie ab Mai 2027, verbesserte Liquidität, aber SOFIX noch immer deutlich unter dem 2007er Rekord und international geringe Aufmerksamkeit.

 

Aktienauswahl

Ich schreibe hier über meine eigenen Investment-Ideen. Warum ich das mache, steht hier.

Diese Seite ist gratis. Bedeutet: ohne finanzielle Hintergedanken. Denn ich muss, mit Verlaub, niemandem etwas verkaufen.

Du findest hier keine Anlagetipps für stupides Copy-Paste. Ich möchte den wenigen Menschen, die noch selbst denken (gibt es die überhaupt noch?), meine Gedanken zum Thema Börse & Finanzen mitteilen.

In vielen Beiträgen habe ich erörtert, welche Sektoren grundsätzlich in einem Frontier Market interessant sind. Das gilt auch für Bulgarien. Bestimmt findest Du ein paar passende Werte fürs Portfolio. Bulgarien ist ein sehr einfach zugänglicher Aktienmarkt. Dabei nur immer an das Chance-Risiko-Profil denken. Daneben gibt es bspw. von der Fa. Karoll eine Reihe guter, aktiv gemanagter Fonds für Bulgarien & Rumänien. Dafür zahlst Du dann eine Gebühr, wirst aber von der Mühe des Selbstdenken befreit. Du kannst sogar blind in den Index SOFIX investieren: Es gibt seit vielen Jahren einen ETF, der u.a. auf XETRA in Frankfurt gehandelt wird.

 

Mein Fazit

2002 war Bulgarien billig und niemand wollte investieren.
2007 und 1.000% Kursgewinne später wollte plötzlich jeder hin.
2026 ist das Land Euro-Mitglied – und börsenseitig trotzdem wieder Frontier Market.

Muss ich mehr schreiben?



Der Blick über die Grenze: Rumänien

Während Bulgarien sich noch aus dem Tal nach oben arbeitet, zeigt der Nachbar Rumänien bereits, was in Osteuropa möglich ist. Der dortige Leitindex BET, der die liquidesten Unternehmen der Bukarester Börse bündelt, hat erst im August 2026 bei knapp 36.782 Punkten ein neues Allzeithoch markiert. Gestartet war er im September 1997 bei 1.000 Punkten. Wer da jetzt erst einsteigt, gehört natürlich nicht gerade zu den ‚First Movern‘. Aber: Meine Sentimentanalyse zeigt klar: Der Markt ist noch weit davon entfernt, vom dummen Geld überrannt zu werden. Da steckt also noch etliches drin!

 

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Auch hier gilt:
Ein genauerer Blick lohnt sich, insbesondere auf die Historie. Der reguläre BET ist ein reiner Kursindex. Da rumänische Aktien historisch oft für ihre sehr hohen, teils exorbitanten Dividendenrenditen bekannt sind, ist für uns langfristig denkende Anleger der BET-TR (Total Return) viel aussagekräftiger. Er berücksichtigt die Reinvestition der Netto-Dividenden und liefert das wahre Bild des Vermögenszuwachses: Auf Sicht von 10 Jahren (Stand August 2026) sprechen wir hier von einer Dividenden-Rendite von über 930 % (758% in €uro).

Ein kleiner Wermutstropfen für Chart-Ästheten: Die Börse Bukarest hat den BET-TR offiziell erst im September 2014 eingeführt. Die extremen Dividenden der wilden Jahre davor fehlen in dieser Kurve also sogar noch:

 

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Aktienauswahl

Hier gilt dasselbe wie für Bulgarien weiter oben. Seitdem die rumänische Börse sogar über Interactive Brokers zugänglich ist, ist Handeln an der Bürse Rumäniens sogar noch einfacher als in Bulgarien. Ob Du auf den obigen Chart aufspringen willst entscheidest Du am besten selbst.