Chancen & Gewinne statt Risiken & Verluste

Warum Du mit Frontier Markets mehr gewinnst

Wer Kasachstan, Usbekistan, Georgien, Armenien oder Vietnam hört, denkt als Anleger meist zuerst an Risiken: Politische Unsicherheit, Korruption, schwache Währungen, schlechte Corporate Governance, geringe Liquidität.

Wer dagegen die Namen der großen westlichen Highflyer hört, denkt an Wachstum, künstliche Intelligenz, Marktführerschaft, Burggräben und glänzende Zukunftsaussichten.

Und genau hier verdiene ich mein Geld. Durchaus viel Geld. Seit Jahrzehnten.

Denn an der Börse kommt es nicht darauf an, ob ein Investment Risiken besitzt. Jedes Investment besitzt Risiken. Entscheidend ist vielmehr, ob diese Risiken im Kurs angemessen berücksichtigt sind.

Oder wie ich seit Jahrzehnten sage:

Entscheidend ist nicht das Risiko. Sondern die Relation von Chance zu Risiko.

Frontier Markets sind nicht interessant, weil dort keine Risiken existieren. Im Gegenteil: Viele dieser Risiken sind offensichtlich und real. Interessant werden diese Märkte gerade deshalb, weil Anleger diese Risiken häufig derart massiv einpreisen, dass Aktien zu Bewertungen gehandelt werden, bei denen schon sehr viel schiefgehen muss.

Bei den vermeintlich sicheren Lieblingen der westlichen Börsen kann dagegen genau das Gegenteil passieren: Die Unternehmen sind hervorragend, die Erwartungen aber so hoch und die Bewertungen so ambitioniert, dass schon eine kleine Enttäuschung genügt.

Ein gutes Unternehmen ist noch lange keine gute Aktie. Und ein Unternehmen in einem schwierigen Land ist nicht automatisch ein schlechtes Investment.


Die Risiken

Eine der offensichtlichsten Gefahren ist die Währung. Ein Unternehmen kann seine Gewinne in lokaler Währung kräftig steigern und der ausländische Aktionär trotzdem nur eine mäßige Dollar-, Euro- oder Frankenrendite erzielen, wenn gleichzeitig die Landeswährung stark abwertet.

Corporate Governance und Eigentümerstruktur.
Hält der Staat, eine einzelne Familie oder eine mächtige Unternehmergruppe die Mehrheit, müssen deren Interessen nicht zwingend mit denen der Minderheitsaktionäre übereinstimmen. Related-Party-Transactions, fragwürdige Kapitalerhöhungen, schlechte Kapitalallokation oder eine Benachteiligung von Minderheitsaktionären sind Risiken, die man sehr ernst nehmen muss.

Politik und Geopolitik.
Regierungen können Steuern verändern, Branchen stärker regulieren oder Unternehmen unter politischen Druck setzen. Sanktionen oder regionale Konflikte können ein Investment zusätzlich belasten.

Liquidität.
Gerade bei lokal gehandelten Aktien ist sie ein Faktor. Eine grössere Position aufzubauen kann dauern und erfordert ggf. Preisaufschläge. Sie während einer Krise wieder zu verkaufen, kann schwierig oder nur mit erheblichen Preisabschlägen möglich sein.

All das existiert.

Aber nun kommt der entscheidende Punkt: Was davon steckt bereits im Kurs?

Risiko ist nicht gleich Risiko

Anleger machen hier einen fundamentalen Denkfehler. Glücklicherweise – denn diesem Denkfehler verdanke ich mein Vermögen:

Sie beurteilen das Risiko eines Investments häufig danach, wie unangenehm sich eine Geschichte anhört.

Kasachstan? Riskant.

Usbekistan? Du lieber Himmel – sehr riskant!

Eine Bank in Georgien? Exotisch.

Ein amerikanischer Technologiekonzern mit einer Marktkapitalisierung von mehreren Billionen Dollar? Solide.

Doch die Börse funktioniert nicht so: Eine Aktie kann vollkommen unspektakulär erscheinen und trotzdem extrem riskant sein, wenn ihr Kurs bereits Jahrzehnte zukünftigen Wachstums vorwegnimmt.

Und ein Unternehmen in einem politisch schwierigen Land kann ein ausgezeichnetes Investment sein, wenn es schuldenarm ist, hohe Cashflows erwirtschaftet, 8 oder 10 % Dividendenrendite zahlt und zu einem einstelligen KGV gehandelt wird.


Der Preis entscheidet

Das wird erstaunlich oft vergessen.

Frontier Markets sind heute tatsächlich erheblich billiger

Der MSCI Frontier Markets Index wurde zum 31. Juli 2026 mit einem KGV von 13,05 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,97 bewertet. Seine Dividendenrendite betrug 3,32 %. (MSCI)

Beim MSCI World standen gleichzeitig:

KGV 24,25,
Kurs/Buchwert 4,13,
Dividendenrendite 1,53 %. (MSCI)

Das bedeutet grob gesagt:

Der Frontier-Market-Index wird mit einem KGV-Abschlag von rund 46 % zum MSCI World gehandelt.

Beim Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt der Abschlag sogar gut 52 %.

Die Dividendenrendite ist dagegen mehr als doppelt so hoch.

Natürlich gibt es dafür Gründe. Ein Teil dieses Abschlags ist vollkommen gerechtfertigt.

Die entscheidende Investmentfrage lautet aber:

Sind 46 oder 52 Prozent Bewertungsabschlag eine angemessene Kompensation für die zusätzlichen Risiken – oder sind sie vielleicht viel zu hoch?

Genau dort beginnt die Arbeit. Nein – nicht die Deines Vermögensverbraters, Deines Fondsmanagers etc. Sondern die des selbst denkenden Investors!

Wie riskant sind Frontier Markets tatsächlich?

Hier wird es interessant. Man könnte erwarten, dass sich das angeblich dramatisch höhere Risiko auch in einer erheblich höheren Börsenvolatilität widerspiegelt. Das tut es erstaunlicherweise nicht.

MSCI weist zum 31. Juli 2026 für seinen Frontier Markets Index über zehn Jahre eine annualisierte Volatilität von 14,31 % aus.

Beim MSCI World waren es 14,86 %.

Über diesen Zeitraum schwankte der Frontier-Market-Index also sogar etwas weniger als der MSCI World.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass Frontier Markets sicherer wären. Aber die Zahlen zeigen sehr schön:

Gefühltes Risiko und tatsächliches Börsenrisiko sind zwei unterschiedliche Dinge.


Gleichzeitig entstehen im vermeintlich sicheren Westen neue Risiken

Während Anleger auf die Risiken exotischer Märkte mit dem Fernglas schauen, übersehen sie gerne die Risiken direkt vor ihrer Nase. Eines davon ist die inzwischen enorme Konzentration der westlichen Aktienmärkte.

Nach Berechnungen von MSCI machen die zehn größten Unternehmen inzwischen mehr als ein Viertel des MSCI World aus. Vor 15 Jahren war ihr Gewicht nur etwa ein Viertel so hoch. Die USA stellen mittlerweile über 70 % des Index, der Technologiesektor alleine mehr als ein Viertel. MSCI bezeichnet die Konzentration der Aktienmärkte als so hoch wie seit rund fünf Jahrzehnten nicht mehr.

Zum 31. Juli 2026 entfielen allein auf NVIDIA und Apple jeweils gut 5 % des MSCI World. Zusammen bringen diese beiden Unternehmen damit bereits mehr als 10 % Gewicht auf die Waage.

Ich möchte damit keines dieser Unternehmen schlechtreden. Das können fantastische Unternehmen sein. Aber fantastische Unternehmen können trotzdem zu teuer sein.

Je höher die Bewertung, desto mehr zukünftiger Erfolg ist bereits im heutigen Aktienkurs enthalten. Irgendwann lautet die Frage nicht mehr:

Wird dieses Unternehmen wachsen?

Sondern:

Kann dieses Unternehmen noch stärker wachsen, als der Markt ohnehin schon erwartet?

Das ist eine vollkommen andere Fragestellung.

Die paradoxe Wahrnehmung von Risiken

Genau deshalb halte ich die klassische Einteilung

Industrieland = sicher
Frontier Market = gefährlich

für viel zu primitiv.

Auch ein Anleger in einem westlichen Blue Chip kann praktisch sein gesamtes Geld verlieren.

Enron war kein kasachisches Unternehmen.

Wirecard kam nicht aus Usbekistan.

Und auch in entwickelten Kapitalmärkten hat es genügend Banken, Industrieunternehmen und gefeierte Wachstumsunternehmen gegeben, deren Aktionäre enorme Verluste erlitten haben.

Der entscheidende Unterschied besteht häufig darin:

Bei Frontier Markets kennt jeder die Risiken.

Und genau deshalb verlangt der Markt einen hohen Risikoabschlag. Einen oft viel zu hohen. Bei einem gefeierten westlichen Marktführer steht dagegen häufig nicht das Risiko im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie viel höher die Gewinne noch steigen könnten.

Damit kann ausgerechnet das vermeintlich sichere Investment gefährlicher werden.

Unbeliebtheit ist ein Asset

Für mich besitzt ein Investmentmarkt einen zusätzlichen Reiz, wenn die Masse dort nicht investiert sein möchte. Denn Börsengewinne entstehen langfristig nicht dadurch, dass ich heute erkenne, was alle anderen bereits erkannt haben. Sie entstehen dann, wenn ich etwas erkenne, bevor es die große Masse erkennt.

In Frontier Markets kommen mehrere Effekte zusammen:

Viele institutionelle Anleger dürfen aufgrund ihrer Anlagerichtlinien dort überhaupt nicht investieren.

Andere scheuen die geringe Liquidität.

Wieder andere haben keine vernünftige Research-Abdeckung.

Ein Vermögensverwalter erklärt seinem Kunden schließlich wesentlich leichter, warum er Microsoft gekauft hat, als warum er plötzlich eine kasachische Bank, eine georgische Small-Cap-Aktie oder einen usbekischen BueChip im Portfolio hält.

Für den einzelnen, selbst denkenden Anleger entsteht genau daraus sein Vorteil:

Wo nur wenige Analysten hinschauen, hat Information einen höheren Wert. Auch Untersuchungen des CFA Institute weisen grundsätzlich darauf hin, dass weniger effiziente Märkte größere Informationsasymmetrien und damit theoretisch mehr Möglichkeiten zur Generierung von Alpha bieten.


Die Kraft des Portfolios

Und hier kommen wir zu einem Punkt, den viele Privatanleger meines Erachtens völlig unterschätzen: Die Mathematik eines Aktienportfolios.

Nehmen wir ein bewusst extremes Beispiel:

Ich investiere jeweils den gleichen Betrag in 10 Unternehmen.

9 davon gehen tatsächlich komplett pleite. Totalverlust.

Eine einzige Aktie entwickelt sich dagegen zu einem 10-Bagger, verzehnfacht also ihren Wert.

Das Ergebnis?

Break-even.

Ich habe trotz neun Totalverlusten insgesamt kein Geld verloren.

Die Rechnung ist einfach:

10 × 1 = 10 eingesetzte Kapitaleinheiten.

Neun Positionen fallen auf null.

Eine Position steigt von 1 auf 10.

Portfolio-Endwert: wieder 10.

Natürlich wäre eine Trefferquote von nur 10 % katastrophal – dann hätte ich tatsächlich meinen Job nicht richtig gemacht. Aber genau das macht die Rechnung interessant.

Was passiert, wenn statt 9 nur 3 Unternehmen scheitern?

Dann bleiben sieben übrig. Um die drei Totalverluste auszugleichen, müssen diese sieben Aktien im Durchschnitt lediglich von 1 auf rund 1,43 steigen.

Also etwa 43 % Kursgewinn.

Bei fünf Totalverlusten müssen sich die verbleibenden fünf Positionen im Durchschnitt verdoppeln.

Das klingt plötzlich schon ganz anders.

Der Grund dafür ist eine der wichtigsten Eigenschaften von Aktien:

Mein Verlust ist ohne Hebel auf 100 % begrenzt. Mein Gewinn nicht.

Eine Aktie kann auf null fallen.

Sie kann aber um 300, 500, 1.000, 5.000 oder 10.000 Prozent steigen. Und genau das passiert, wenn das Wachstum zuschlägt – und nach den grossen Fonds auch „Klein Lieschen“ einen Markt, eine Aktie entdeckt. Das sind keine Märchen – all das habe ich in den letzten 30 Jahren mit meinem eigenen Portfolio erlebt. Mehrfach. Und es passiert auch heute noch. Immer wieder.

Genau diese Asymmetrie nutze ich.

Natürlich funktioniert diese Mathematik nur mit echter Diversifikation. Zehn Banken desselben Landes sind kein vernünftig diversifiziertes Portfolio. Ein politischer Eingriff, eine Währungskrise oder ein Krieg könnte mehrere Positionen gleichzeitig treffen.

Deshalb sollte man über Länder, Branchen, Währungen und Geschäftsmodelle streuen.

Und deshalb halte ich Hebel bei dieser Strategie für besonders gefährlich: Wer zwangsliquidiert werden kann, besitzt die Zeit nicht mehr, auf die großen Gewinner zu warten.

Woher kommen die großen Gewinner?

Ein gutes Frontier-Market-Investment benötigt nicht unbedingt spektakuläres Unternehmenswachstum.

Häufig wirken gleich mehrere Faktoren zusammen.

  1. Gewinnwachstum

Viele Frontier-Länder besitzen noch strukturell höhere reale Wachstumsraten.

Kasachstans Wirtschaft wuchs beispielsweise 2025 real um 6,5 %. Die Weltbank erwartet für 2026 nach dem Produktionssprung im Ölsektor eine Normalisierung auf 4,6 %.

Usbekistan kam 2025 sogar auf 7,7 % reales Wachstum; für 2026 erwartet die Weltbank 6,4 %. Seit 2017 wuchs die Wirtschaft im Durchschnitt um rund 6 % jährlich.

Für Georgien erwartet die Weltbank 2026 trotz schwächerer äußerer Bedingungen noch rund 5 % Wachstum.

Natürlich bedeutet hohes BIP-Wachstum nicht automatisch hohe Aktienrenditen.

Aber Unternehmen, die in wachsenden Bank-, Versicherungs-, Telekom-, Konsum- oder Infrastrukturmärkten tätig sind, bekommen dadurch erheblichen Rückenwind.

  1. Neubewertung

Noch interessanter ist häufig der zweite Effekt.

Eine Aktie verdient 1 Euro und kostet 5 Euro.

KGV 5.

Einige Jahre später verdient sie 2 Euro.

Gleichzeitig haben sich Corporate Governance, Liquidität und Wahrnehmung des Landes verbessert und Anleger akzeptieren nun ein KGV von 10.

Aus 5 Euro werden:

20 Euro.

Der Gewinn des Unternehmens hat sich verdoppelt – die Aktie vervierfacht.

Das ist der Hebel der Neubewertung.

  1. Internationales Listing und steigende Liquidität

Noch größer kann der Effekt werden, wenn aus einem schwer handelbaren lokalen Unternehmen plötzlich eine international investierbare Aktie wird.

Ein Listing in London oder an einer anderen großen Börse, Depositary Receipts, bessere Investor Relations, englischsprachige Geschäftsberichte und zunehmende Analystenabdeckung können den Kreis potenzieller Investoren dramatisch vergrößern.

Damit verschwindet ein Teil des bisherigen Liquiditäts- und Informationsabschlags.

Genau solche Entwicklungen sind derzeit beispielsweise in Usbekistan zu beobachten. Das Land öffnet seinen Kapitalmarkt schrittweise; 2026 erfolgte unter anderem die internationale Platzierung des Uzbekistan National Investment Fund mit Handel in London und Taschkent.

Für einen frühen Investor kann eine solche Entwicklung enorm wertvoll sein.


Was ich bei einem Frontier-Market-Investment prüfe

Gerade weil ich die Chancen dieser Märkte für außergewöhnlich halte, darf die Analyse nicht oberflächlich sein.

Mich interessieren insbesondere:

  • Wer kontrolliert das Unternehmen?
    Staat, Familie, Oligarch, ausländischer Konzern oder breit gestreuter Aktionärskreis?
  • Wie wurden Minderheitsaktionäre in der Vergangenheit behandelt?
  • Gibt es Related-Party-Transactions?
  • Wie hoch ist die Verschuldung?
    Und vor allem: In welcher Währung bestehen die Schulden?
  • Wo werden die Einnahmen erzielt?
    Ein Exporteur, der seine Einnahmen in Dollar erzielt, besitzt ein vollkommen anderes Währungsrisiko als ein lokaler Einzelhändler mit Dollarschulden.
  • Wer prüft den Jahresabschluss?
  • Werden internationale Rechnungslegungsstandards verwendet?
  • Wie hoch ist der Free Float?
  • Wie liquide wird die Aktie tatsächlich gehandelt?
  • Kann ich Dividenden problemlos erhalten und Kapital wieder aus dem Land transferieren?
  • Bestehen Sanktionen oder Sanktionsrisiken?
  • Welche Quellensteuern fallen an?

Und schließlich die wichtigste Frage:

  • Was bezahle ich?

Denn für ein wunderbares Unternehmen kann ein astronomischer Preis zu hoch sein. Und für ein schwieriges Unternehmen kann ein ausreichend niedriger Preis hochinteressant werden.

Frontier Markets sind kein Ersatz für Analyse

Aus meinen Ausführungen sollte man keinesfalls schließen:

„Kaufe einfach zehn exotische Aktien und du wirst reich.“

So funktioniert es natürlich nicht. Man kann auch zehn schlechte Unternehmen kaufen. Man kann sich bei politischen Risiken verschätzen. Man kann Betrügern aufsitzen. Man kann eine Währungskrise unterschätzen.

Oder man investiert in Unternehmen, deren Aktien zwar optisch billig sind, deren Gewinne aber dauerhaft den Mehrheitsaktionären und niemals den Minderheitsaktionären zugutekommen.

Deshalb bedeutet Frontier-Market-Investing für mich nicht weniger Analyse.

Es bedeutet mehr Analyse.

Aber genau dafür werde ich als aktiver selbst denkender Investor grossartig vom Markt bezahlt.

Das wirkliche Risiko liegt manchmal dort, wo niemand mehr Angst hat

Anleger haben eine erstaunliche Eigenschaft:

Sie fühlen sich besonders sicher, wenn viele andere Anleger dasselbe tun.

Für mich ist das eher ein Warnsignal.

Wenn praktisch jeder Fonds dieselben Unternehmen besitzt, dieselben Analysten dieselben Kaufempfehlungen schreiben, dieselben Aktien in immer größeren Indexgewichten landen und gleichzeitig die Bewertungen steigen, verschwindet das Risiko nicht.

Es verändert nur seine Form.

Aus politischem Risiko wird Bewertungsrisiko.

Aus Liquiditätsrisiko wird Konzentrationsrisiko.

Aus Informationsmangel wird möglicherweise Informationsillusion: Jeder weiß alles über das Unternehmen – aber alle kommen zur selben optimistischen Schlussfolgerung.

MSCI selbst weist inzwischen darauf hin, wie stark sich das Risiko in den größten Titeln der entwickelten Märkte konzentriert hat.

Demgegenüber weiß ich bei einer Aktie aus Kasachstan von Anfang an:

Hier gibt es Währungsrisiko.

Hier gibt es politisches Risiko.

Hier gibt es möglicherweise Governance-Risiken.

Sehr schön.

Die nächste Frage lautet deshalb: Was bekomme ich dafür bezahlt, dass ich diese Risiken übernehme?

Und wenn die Antwort lautet:

ein KGV von 5 oder 6, eine hohe Dividendenrendite, eine solide Bilanz, steigende Gewinne und vielleicht noch die Chance auf eine spätere internationale Neubewertung –

dann beginne ich mich dafür zu interessieren.


Fazit

Nicht Risiken vermeiden – falsch bewertete Risiken suchen

Ich investiere seit Jahrzehnten nach einem einfachen Grundsatz:

Ich suche nicht nach Investments ohne Risiko. Die gibt es nicht.

Ich suche nach Situationen, in denen die mögliche Rendite erheblich größer ist als das Risiko, das ich dafür eingehen muss.

Und genau deshalb finde ich Frontier Markets faszinierend.

Die Probleme dieser Märkte stehen weithin sichtbar auf dem Tisch. Jeder Fondsmanager kennt sie. Jede Bank schreibt darüber. Jeder Anleger hat Angst davor. Und diese Angst hat einen Preis. Sie führt zu niedrigen Bewertungen, geringer institutioneller Beteiligung und manchmal geradezu absurden Bewertungsunterschieden gegenüber westlichen Unternehmen.

Natürlich wird nicht jede dieser Aktien ein Gewinner. Einzelne werden enttäuschen. Manche können sogar wertlos werden. Aber dafür benötige ich keine hundert Treffer. Ich benötige ein gut diversifiziertes Portfolio und einige außergewöhnliche Gewinner.

Denn an der Börse gewinnt langfristig nicht derjenige, der jedes Risiko vermeidet.

Sondern derjenige, der erkennt,

welche Risiken überbezahlt werden –
und welche Risiken der Markt gefährlich unterschätzt.

Deshalb ist das größte Risiko meist gar nicht dort, wo alle laut „Vorsicht!“ rufen. Sondern dort, wo sich längst niemand mehr vorstellen kann, dass überhaupt noch etwas schiefgehen könnte.

Und nicht vergessen: Ein Risiko ist immer dabei. Das des Schweizer/heimischen Bankmitarbeiters!

Hinweis: Dieser Beitrag richtet sich exklusiv an Selbstdenker. Er stellt meine persönliche Meinung und Investmentphilosophie dar und ist keine Anlageberatung.