Die Frontier Markets haben in den letzten 12 bis 24 Monaten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Nach jahrelanger Seitwärtsbewegung verzeichnete der breite MSCI Frontier Markets Index im Jahr 2025 ein absolutes Bannerjahr mit einem Plus von rund 43 % in USD, ….
… gefolgt von einer starken Fortsetzung des Trends in den Jahren 2025/2026.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den traditionellen Index-Schwergewichten und den Märkten Zentralasiens und des Kaukasus.
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Stichtag: grundsätzlich 24. Juli 2026, jeweils gegenüber dem nächstliegenden Handelstag vor zwölf beziehungsweise 24 Monaten.
Berechnung: Kursentwicklung des lokalen Leitindex, umgerechnet in US-Dollar. Dividenden sind nicht enthalten.
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Die Top-Performer im offiziellen MSCI-Universum (12 & 24 Monate)
Betrachtet man die im globalen MSCI-Index repräsentierten Länder, führen vor allem südostasiatische und osteuropäische Märkte das Feld an:
- Vietnam Das absolute Schwergewicht: Mit einem Gewicht von über 31 % im MSCI Frontier Markets Index dominiert Vietnam das Geschehen. Gestützt auf starke Exportzahlen, florierende ausländische Direktinvestitionen (FDI) und den anhaltenden Fokus auf Technologielieferketten und Immobilien (wie Vingroup) lieferte der vietnamesische Markt in den letzten 24 Monaten solide zweistellige bis starke annualisierte Renditen und trieb den Gesamtindex maßgeblich an.
- Pakistan: Nach Jahren der tiefen Krise (2018–2023) erlebte Pakistan eine fulminante Kehrtwende. Geringere Inflation, Stabilisierung der Währung und IWF-Fortschritte sorgten dafür, dass pakistanische Aktien – insbesondere zyklische Titel und Banken – zu den renditestärksten Werten der letzten 12–24 Monate im Frontier-Segment zählten.
- Marokko: Gestützt auf stabile makroökonomische Reformen und eine starke Performance des Bankensektors (z. B. Attijariwafa Bank) gehört Marokko ebenfalls zu den konstanten Outperformern der letzten zwei Jahre.
Für Vietnam gibt es zahlreiche Investmentvehikel. Von gemanagten Fonds – die besten & liquidesten primär an der London Stock Exchange notiert. Bis hin zu XETRA-gelisteten ETF.
Ich hatte mir schon sehr früh (und natürlich vor Ort) die Börse in Vietnam und einige Unternehmen angesehen. Mich dann entschieden dass es sich für mich nicht rechnet, persönlich vor Ort auf „Jagd“ zu gehen. Aus einer ganzen Reihe von Gründen. Stattdessen habe ich in einen der Fonds und einen ETF investiert und belasse es dabei.
Pakistan & Marokko hat mich bis dato nicht als Investment interessiert. Da ich grundsätzlich eine gewisse Skepsis hege wenn es darum geht, Gelder in einem muslimischen Rechtssystem zu investieren. Eine Ausnahme bildet Zentralasien – da mir hier das Chance/Risikoprofil sehr günstig erscheint.
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Entwicklung in Zentralasien und im Kaukasus (Kasachstan, Usbekistan, Georgien, Armenien)
Das ist seit Jahrzehnten mein „Jagdrevier“ das ich sehr gut kenne. Diese Regionen sind oft nicht oder nur marginal im klassischen MSCI-Standardindex vertreten. Sie haben sich in den letzten 24 Monaten als überdurchschnittlich robust und ertragreich erwiesen:
Kasachstan
Kasachstan gehört zu den absoluten Performance-Treibern der Region.
Es ist der am einfachsten zugängliche „Heavy Hitter“ direkt vor Ort, da sowohl die KASE (Kazakhstan Stock Exchange) als auch die AIX (Astana International Exchange) stark digitalisiert sind und internationale Depoteröffnungen (teils remote oder über lokale Broker wie Halyk Finance, Freedom Finance Global etc.) gut unterstützt werden.
- Performance-Treiber: Der offizielle KASE Index zeigte sich in den letzten Jahren robust. Er legte allein im Jahr 2025 um rund 26,1 % zu, gefolgt von einer weiteren starken Aufwärtsdynamik im Jahr 2026. Kein Highflyer – aber solide.
- Top-Performer direkt an der KASE:
- Bank CenterCredit (CCBN): Gehörte zu den absoluten Überfliegern.
- Halyk Bank & Kaspi.kz: Letztere zwar auch an westlichen Börsen bzw. über GDRs bekannt, aber direkt an der Heimatbörse ein Kerninvestment mit massiven Dividendenausschüttungen und starkem heimischen Kredit- und Fintech-Wachstum.
- KazMunayGas: Profitierte als nationaler Öl- und Gasriese von stabilen Heimatumsätzen und solider Dividendenpolitik.
Auch die lokale Währung (Tenge) zeigte sich phasenweise stabiler als in früheren Zyklen.
Georgien
Georgien profitiert kontinuierlich von einem robusten Wirtschaftswachstum (oft im Bereich von 6 % bis 8 % BIP-Wachstum), starkem Tourismus und seiner Rolle als wichtiger Handelskorridor. Die führenden Geschäftsbanken des Landes (TBC Bank und Bank of Georgia / Lion Finance Group) verzeichnen seit zwei Jahren hervorragende Gewinnentwicklungen und hohe Dividendenausschüttungen.
Usbekistan
Usbekistan entwickelt sich zunehmend zu einem spannenden „Rising Star“. Da sich das Land mitten in einem massiven Reform- und Privatisierungsprozess befindet (inklusive der Öffnung staatlicher Unternehmen für den Kapitalmarkt und internationaler Anleihenemissionen).
Der direkte Handel an der Börse in Taschkent ist mühsam, erfordert lokale Steueridentifikationsnummern (INN) und Geduld mit den Brokern vor Ort. Wer diesen Weg geht, investiert in einen der am schnellsten wachsenden Märkte der Region (BIP-Wachstum konstant im Bereich von 7 %).
Performance-Treiber: Der lokale AVEX-Index (Avesta Equity Index) hat in den letzten 12 Monaten eine massive Rally hingelegt und verzeichnete auf Jahressicht Zuwächse von über 100 % (getrieben durch Neubewertungen, steigende Liquidität und IPOs).
Top-Performer direkt an der RSE:
Hamkorbank (HMKB): Die Stammaktien verzeichneten phänomenale Kursgewinne (teils über 100% in einem Jahr) bei gleichzeitig attraktiven fundamentalen Bewertungen (nয়েiges KGV).
Uzbekistan Commodity Exchange (URTS): Als Handelsplattform für Rohstoffe und Devisen ein absoluter Cashflow- und Dividenden-Liebling direkt an der Börse mit starken Zuwächsen (+70% Kursplus).
O’zbektelekom: Konnte ebenfalls solide zweistellige Kurszuwächse und stabile Erträge verbuchen.
Armenien
Armenien verzeichnete in den letzten Jahren – stark begünstigt durch regionale Migration, Finanzströme und Dienstleistungsexporte – ein beeindruckendes makroökonomisches Wachstum, das sich positiv auf den dortigen, wenn auch sehr überschaubaren Finanzsektor auswirkte.
Der armenische Kapitalmarkt ist traditionell sehr klein und illiquide, hat aber durch den Zuzug von Kapital und die starke Wirtschaftsdynamik der letzten Jahre an Aufmerksamkeit gewonnen.
Direktinvestments: Der Handel läuft über lokale Broker wie ROQ Capital (früher Armenbrok). Ich zähle mich gewissermassen mit zu dessen Gründungsvätern, da ich vor mehr als 20 Jahren mit meinem Investments mithelfen durfte, dieses Unternehmen zu einem der führenden unabhängigen Brokerhäusern zu machen.
Schwerpunkte: Da nur sehr wenige Unternehmen im klassischen Sinne an der AMX free-float-mäßig liquide gelistet sind (ein Gros läuft über den Renten- und Staatsanleihenmarkt sowie einige Banken und Versorger), ist die direkte Aktienperformance stark auf wenige Finanzwerte konzentriert. Die makroökonomische Stärke (starkes Dienstleistungs- und IT-Wachstum) spiegelte sich vor allem in den Bilanzen der großen Geschäftsbanken wider, die für Direktinvestoren vor Ort die attraktivsten Vehikel darstellen.
Zusammenfassender Trend
In den letzten 24 Monaten profitierten Frontier Markets vor allem davon, dass sie unkorreliert zu den US-Märkten liefen, niedrige Bewertungen aufwiesen und globale Zinssenkungserwartungen die Liquidität in diesen Nischenmärkten erhöhten.
Während Vietnam und Pakistan volumen- und indexstark performten, glänzten Kasachstan und Georgien vor allem durch fundamental starke Einzeltitel.
Wer den Aufwand auf sich nimmt, direkt bei lokalen Brokern in Almaty, Taschkent oder Jerewan Konten zu eröffnen, wird mit deutlich höheren Dividendenrenditen (oft im hohen einstelligen bis zweistelligen Bereich) und echten Ineffizienz-Gewinnen belohnt, die über westliche Standard-ETFs völlig unsichtbar bleiben. Während Kasachstan (KASE) professionell abzuwickeln ist, erfordert Usbekistan (Tashkent) vor Ort echte Pionierarbeit, belohnt risikofreudige Direktinvestoren derzeit aber mit spektakulären Index-Anstiegen.
Auf US-Dollar-Basis lagen in den vergangenen zwölf Monaten Ghana und Nigeria nahezu gleichauf an der Spitze. Über 24 Monate ist Ghana mit grossem Abstand der stärkste Markt, gefolgt von Nigeria. Danach kommen überraschend viele afrikanische und südosteuropäische Börsen.
Was die Rangliste verschleiert
Die nominal besten Märkte waren nicht unbedingt die am besten investierbaren:
- Ghana, Nigeria, Tansania und Uganda hatten enorme Indexgewinne, aber erhebliche Probleme bei Liquidität, Währungskonvertierung, Kapitalverkehr und realistischen Ausstiegskursen.
- Beim ugandischen Index kommt hinzu, dass ungefähr die Hälfte der enthaltenen Aktien kenianische Zweitnotierungen sind. Er ist daher kein reiner Uganda-Index.
- Rumänien, Slowenien, Vietnam, Pakistan und Kasachstan waren für ausländische Anleger erheblich zugänglicher.
- Usbekistan liegt dazwischen: hervorragende Börsenperformance, aber noch keine unkomplizierte institutionelle Investierbarkeit.
- Die Tabellen berücksichtigen weder Dividenden noch Quellensteuern, Transaktionskosten, Geld-Brief-Spannen oder Beschränkungen beim Rücktransfer von Kapital.
Mein Fazit
Im Norden Afrikas überzeugt mich das Rechtssystem bzw. der Schutz eines „ungläubigen“ nicht-moslemischen Investors nicht. Auch um Sub-Sahara-Afrika mache ich einen grossen Bogen. Ich hatte mich mit den Börsen in Zimbabwe, Botswana & Zambia intensiv befasst. War vor Ort, habe mir live den Handel angesehen und den Weg einer Kauf/Verkaufsorder vom Broker bis zum Trade, dessen Clearing & Settlement mitverfolgt. Es gab mir zu viele Möglichkeiten, den Kunden bspw. durch Frontrunning zu übervorteilen. Nun ist das ganze ein paar Jahre her, es mag sich geändert haben. Auch mögen die übrigen Länder ganz anders funktionieren. Aber es ist mein Geld, ich allein entscheide wo und wie ich investiere. Afrika gehört nicht dazu. Derzeit.
Slowenien und Rumänien gehören für mich definitiv nicht zu den Frontier Markets. Das hochentwickelte Slowenien am Allerwenigsten. Aber es erscheint in der obigen Statistik. Bulgarien & Rumänien sind wieder interessant geworden und haben gute Gewinne geliefert. Tendenz: Weiter steigend. Wenn ich Zeit & Lust habe stelle ich mal einige meiner dortigen Investments vor. Im Moment „schockiere“ ich mein Umfeld lieber mit wirklichen Exoten-Märkten.

