Kasachstan

Frontier Market zwischen Öl, Fintech und Privatisierung

Warum sich kasachische Aktien für engagierte und risikobewusste Investoren lohnen. Kasachstan dürfte bei den wenigsten europäischen Anlegern ganz oben auf der Liste potenzieller Aktienmärkte stehen.

Stand der Daten: 13. August 2026

Wer an das Land denkt, denkt wahrscheinlich zunächst an Öl, Uran, Steppe und die geopolitisch schwierige Lage zwischen Russland und China. Das ist nicht falsch – aber inzwischen deutlich zu kurz gegriffen.

Kasachstan besitzt heute einen überraschend interessanten Kapitalmarkt mit hochprofitablen Banken, einem der bemerkenswertesten Fintech-Unternehmen der Emerging Markets, großen Rohstoffkonzernen und einer langsam wachsenden Zahl international handelbarer Aktien. Hinzu kommt ein Privatisierungsprogramm, das weitere Schwergewichte an die Börse bringen könnte.

Natürlich ist Kasachstan kein zweites Deutschland oder die Schweiz. Währungsrisiken, politische Einflussnahme, Corporate Governance, teilweise geringe Liquidität und die enorme Bedeutung des Staates dürfen nicht ausgeblendet werden. Gerade deshalb ist dies kein Markt für Anleger, die einfach einen ETF kaufen und sich danach zehn Jahre nicht mehr darum kümmern wollen. Für engagierte und risikobewusste Investoren, die bereit sind, Geschäftsberichte zu lesen und politische wie makroökonomische Entwicklungen zu verfolgen, kann Kasachstan dagegen ausgesprochen interessant sein.

Eine junge Volkswirtschaft mit erstaunlich hoher Dynamik

Kasachstan ist mit gut 20 Millionen Einwohnern zwar kein riesiger Absatzmarkt. Entscheidend ist jedoch seine Kombination aus Rohstoffreichtum, relativ junger Bevölkerung, hohem Bildungsgrad und einem für die Region vergleichsweise weit entwickelten Finanzsystem.

Der Internationale Währungsfonds rechnet 2026 mit einem realen Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent. Die Bevölkerung beträgt rund 20,6 Millionen Menschen. Das Wachstum liegt damit weiterhin deutlich über dem vieler westlicher Industrieländer. Gleichzeitig bleibt die Inflation allerdings hoch: Im Juli 2026 lag sie bei 10,2 Prozent, und die kasachische Zentralbank hält den Leitzins trotz einer jüngsten Senkung noch immer bei 16,75 Prozent. Das ist einerseits eine Belastung für Konsum und Investitionen, erklärt andererseits aber auch einen Teil der außergewöhnlich hohen Margen im Bankensektor.

Demografisch unterscheidet sich Kasachstan erheblich von Europa. Das Medianalter der Bevölkerung lag 2025 bei lediglich 29,7 Jahren, die Fertilitätsrate bei etwa drei Kindern je Frau. Rund 29 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre. Das bedeutet nicht automatisch hohe Börsenrenditen, schafft aber langfristig günstigere Voraussetzungen für Kreditwachstum, Konsum, Wohnungsbau, Versicherungen und digitale Dienstleistungen als in stark alternden Volkswirtschaften.

Bemerkenswert ist zudem das Bildungsniveau. Die auf UNESCO-Daten basierende Alphabetisierungsquote der Erwachsenen liegt bei rund 99,8 Prozent. Die Brutto-Einschreibungsquote im tertiären Bildungsbereich betrug zuletzt etwa 53 Prozent. Das sollte man nicht mit der Aussage verwechseln, dass 53 Prozent der Bevölkerung einen Hochschulabschluss besitzen. Es zeigt aber, dass Hochschulbildung in Kasachstan für ein Land dieses Einkommensniveaus stark verbreitet ist.

Für einen Investor ist diese Kombination interessant: Kasachstan verfügt über die Rohstoffe eines klassischen Frontier Markets, gleichzeitig aber über eine relativ junge, gut ausgebildete und zunehmend digitalisierte Bevölkerung.


Die Risiken sind real – werden aber übertrieben bewertet

Wer in Kasachstan investiert, sollte nicht versuchen, die Risiken wegzudiskutieren.

Das offensichtlichste ist der Tenge. Ein Unternehmen kann seine Gewinne in lokaler Währung kräftig steigern und der ausländische Aktionär trotzdem nur eine mäßige Dollar- oder Euro-Rendite erzielen, wenn die Währung gleichzeitig abwertet.

Dazu kommen momentan zweistellige Inflation und ein Leitzins von 16,75 Prozent. Eine Bank, die bei solchen Zinssätzen 25 oder 30 Prozent Eigenkapitalrendite erzielt, ist nicht automatisch so profitabel wie eine europäische Bank mit derselben nominellen ROE bei zwei oder drei Prozent Inflation.

Ebenso wichtig sind staatlicher Einfluss und Corporate Governance. Bei Unternehmen wie KMG, Kazatomprom oder zukünftigen Privatisierungen bleibt der Staat Großaktionär und verfolgt nicht zwangsläufig immer dieselben Interessen wie Minderheitsaktionäre.

Hinzu kommen geopolitische Risiken durch Russland, China und die Transportwege zu den Weltmärkten. Schließlich ist bei lokalen Aktien die Liquidität ein ernstzunehmendes Thema. Eine Position, die problemlos aufgebaut werden kann, lässt sich in Stressphasen nicht zwangsläufig ebenso problemlos verkaufen.

 

Seit Jahrzehnten wiederhole ich mein Mantra:
Entscheidend ist nicht das Risiko. Sondern die Relation von Chance zu Risiko.

 

Frontier-Market-Renditen entstehen nicht dadurch, dass Risiken fehlen. Sondern dadurch, dass sie stärker eingepreist werden als angebracht.

Hinz & Kunz, Joe Public, Lieschen Müller (und die allermeisten Vermögensverbrater sowieso) haben vor Angst die Hosen voll, wenn Sie Namen wie Georgien, Armenien, Usbekistan oder Kasachstan hören. Denn es gibt Risiken. Aber die Risiken werden massivst überbewertet. Das führt zu absurd tiefen Kursen – und gewaltigen Chancen. Viele Kleinanleger verstehen nicht die Macht eines Portfolios, die Kraft der Streuung. Ja – ein „exotisches“ Unternehmen kann Pleite gehen, die Aktie kann durch Korruption etc. wertlos werden. Genauso wie bei einer WireCard oder einem anderen namhaften Unternehmen auch. Dafür aber können andere sich im Wert ver-100-fachen.  Ich spiele dieses „Spiel“ seit Jahrzehnten mit grossem Erfolg.

 


 

Fazit: Kasachstan ist erwachsener geworden – aber noch lange kein Mainstream-Markt

Kasachstan erscheint mir heute wesentlich interessanter als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Nicht weil das Land plötzlich seine politischen und wirtschaftlichen Risiken beseitigt hätte, sondern weil inzwischen Unternehmen entstanden oder börsennotiert sind, bei denen sich diese Risiken mit sehr konkreten operativen Qualitäten verbinden.

Interessante Sektoren: längst nicht mehr nur Öl und Uran

Die offensichtlichsten Investmentthemen bleiben Rohstoffe. Kasachstan besitzt große Öl- und Gasvorkommen und mit Kazatomprom einen der weltweit bedeutendsten Uranproduzenten. Doch gerade die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Binnenwirtschaft für Anleger mindestens ebenso spannend werden kann.

Besonders interessant erscheint der Finanzsektor. Kasachische Banken erzielen Eigenkapitalrenditen, von denen europäische Banken lange nur träumen konnten. Halyk Bank und Bank CenterCredit kamen 2025 jeweils auf ROEs von mehr als 30 Prozent. Das ist zum Teil strukturell – hohe Zinsen und ein stark konzentrierter Markt helfen – und darf deshalb nicht einfach mit europäischen Banken verglichen werden. Trotzdem sind die Bewertungen trotz dieser Profitabilität teilweise sehr niedrig.

Hinzu kommen Fintech und E-Commerce. Kaspi.kz hat gezeigt, dass aus Kasachstan heraus ein digitales Ökosystem aus Zahlungsverkehr, Marketplace, Konsumentenkrediten und E-Commerce entstehen kann, das mittlerweile sogar international expandiert.

Ein weiterer Sektor, der bisher wenig Aufmerksamkeit erhält, sind Versicherungen.

Versicherungen: enormes Aufholpotenzial

Um Länder sinnvoll zu vergleichen, verwendet man üblicherweise die sogenannte insurance density, also die Versicherungsprämien pro Einwohner.

Der kasachische Versicherungsmarkt vereinnahmte 2025 Prämien von rund 1,7 Billionen Tenge beziehungsweise 3,4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 12,5 Prozent. Bei gut 20,5 Millionen Einwohnern ergibt das überschlägig etwa 165 US-Dollar Prämien pro Kopf.

Usbekistan kam 2025 auf Prämien von 13,46 Billionen Sum. Beim durchschnittlichen Wechselkurs von 12.575 Sum je Dollar und rund 38,2 Millionen Einwohnern entspricht dies nur ungefähr 28 US-Dollar je Einwohner.

Der Abstand zu den Industriestaaten ist dennoch gewaltig:

Land / Region Versicherungsprämien pro Kopf
Usbekistan, 2025* ca. 28 USD
Kasachstan, 2025* ca. 165 USD
Weltweit, 2024 943 USD
Deutschland, 2024 3.151 USD
Schweiz, 2024 6.980 USD
USA, 2024 10.295 USD

*Eigene Berechnung aus Gesamtprämien, Bevölkerung und bei Usbekistan dem durchschnittlichen USD-Wechselkurs 2025. Die Industrieländerwerte stammen aus Swiss Re sigma 2/2025.

Daraus folgt natürlich nicht, dass Kasachstan irgendwann automatisch 3.000 oder 7.000 Dollar Prämien pro Einwohner erreichen wird. Einkommen, Sozialversicherungssysteme und Pflichtversicherungen unterscheiden sich erheblich. Die Größenordnung macht aber deutlich, wie niedrig die Versicherungsdurchdringung noch immer ist.

Für Aktienanleger gibt es hier leider noch keinen ähnlich liquiden internationalen Pure Play wie bei Banken. Interessant ist deshalb vor allem die indirekte Beteiligung über Finanzkonzerne wie Halyk, die neben dem klassischen Bankgeschäft auch Versicherungen und andere Finanzdienstleistungen betreiben. Halyk weist diese Diversifikation selbst ausdrücklich aus.

Privatisierungen könnten den Aktienmarkt erheblich verbreitern

Einer der wichtigsten langfristigen Katalysatoren für den kasachischen Kapitalmarkt ist die weitere Privatisierung staatlicher Unternehmen.

Dass dies nicht nur Theorie ist, haben die vergangenen Jahre gezeigt: Kazatomprom, KazMunayGas und Air Astana wurden bereits teilweise an die Börse gebracht. Samruk-Kazyna bezeichnet die Reduzierung staatlicher Beteiligungen ausdrücklich als Bestandteil seiner Privatisierungsstrategie.

Besonders interessant ist derzeit Kazakhstan Temir Zholy – KTZ, die staatliche Eisenbahn. Samruk-Kazyna bestätigte im Mai 2026 die Vorbereitungen für ein internationales IPO mit einer geplanten Dreifachnotierung in Kasachstan, London und Hongkong. Anders als bei einer bloßen Platzierung bestehender Staatsanteile sollen neue Aktien ausgegeben werden; das Kapital würde somit KTZ zufließen und unter anderem zum Schuldenabbau sowie für Infrastruktur und den Ausbau der Transportkorridore verwendet.

Beim Zeitpunkt herrscht allerdings die für Frontier Markets nicht ganz untypische Unklarheit. Während Samruk-Kazyna weiterhin 2026 als Ziel nannte und auch das KTZ-Management im Juni noch von Ende 2026 sprach, wurde im Juli erneut das erste Quartal 2027 genannt. Für Anleger ist daher weniger das genaue Datum entscheidend als die Tatsache, dass die Transaktion konkret vorbereitet wird.

KTZ wäre besonders interessant, weil das Unternehmen nicht nur eine Wette auf die kasachische Binnenwirtschaft darstellt. Kasachstan versucht, seine Lage zwischen China und Europa als Transitland zu monetarisieren und alternative Routen über das Kaspische Meer, Aserbaidschan, Georgien und die Türkei auszubauen.

Auch QazaqGaz befindet sich weiterhin im Privatisierungsportfolio. Der ursprünglich wesentlich früher geplante Börsengang wurde verschoben, weil Samruk-Kazyna die Investmentattraktivität zunächst verbessern will. Einen belastbaren Termin gibt es derzeit nicht; zuletzt wurde ein mögliches Zeitfenster 2026/27 diskutiert. Hier würde ich deshalb erst dann genauer hinsehen, wenn Prospekt und konkrete Angebotsbedingungen vorliegen.

Bank CenterCredit – KASE: CCBN

Hohe Rendite, niedrige Bewertung

Bank CenterCredit gehört für mich zu den spannendsten rein lokalen Aktien Kasachstans. Die Bank ist inzwischen die drittgrößte bzw. je nach Messgröße eine der größten Banken des Landes und hat in den vergangenen Jahren erheblich an Marktanteil gewonnen.

Die geprüften Konzernzahlen für 2025 waren beeindruckend: Die Bilanzsumme stieg von 7,07 auf 8,52 Billionen Tenge, der Konzerngewinn von 202,4 auf 268,3 Milliarden Tenge. Das entspricht einem Gewinnanstieg von rund 33 Prozent. Die Eigenkapitalrendite lag bei 31,6 Prozent, während der Buchwert je Stammaktie auf 4.655 Tenge stieg.

Am 13. August 2026 kostete die Aktie rund 4.857 Tenge. Damit wurde sie lediglich knapp oberhalb des ausgewiesenen Buchwertes von Ende 2025 gehandelt. S&P-Global-basierte Marktdaten weisen aktuell ein nachlaufendes KGV von ungefähr 3,5 aus. Für eine Bank mit einer ROE von über 30 Prozent wirkt das zunächst extrem billig.

Aber genau hier sollte man nicht einfach das niedrige KGV hochrechnen. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass sich die Ertragsdynamik bereits abgeschwächt hat. In den veröffentlichten regulatorischen Bankzahlen lag der Gewinn für das erste Halbjahr 2026 bei 106,5 Milliarden Tenge, nach 137,4 Milliarden im Vergleichszeitraum – ein Rückgang von rund 22 Prozent. Zwar stieg der Nettozinsertrag, gleichzeitig gingen andere Erträge zurück und die Kosten legten zu. Diese Zahlen sind zudem nicht direkt mit dem voll konsolidierten IFRS-Konzerngewinn für 2025 gleichzusetzen.

Mein Eindruck: CCBN ist die klassische Frontier-Market-Value-Aktie. Sehr hohe Profitabilität und optisch niedrige Bewertung treffen auf begrenzte internationale Analystenabdeckung, geringe Börsenliquidität und ausschließlich lokalen Marktzugang. Genau daraus kann eine Fehlbewertung entstehen – aber auch eine Value Trap.

Halyk Bank – der kasachische Blue Chip

Halyk Bank – KASE/AIX: HSBK, London: HSBK-GDR

Wer Kasachstan über eine einzige Finanzaktie abbilden möchte, landet zwangsläufig bei Halyk. Die Bank besitzt knapp 30 Prozent der Aktiva des kasachischen Bankensystems und ist damit mit Abstand der wichtigste klassische Finanzkonzern des Landes. Neben Retail-, SME- und Corporate-Banking betreibt die Gruppe unter anderem Versicherung, Leasing, Brokerage und Asset Management.

2025 erzielte Halyk eine Eigenkapitalrendite von 32,6 Prozent, eine Nettozinsmarge von 7,1 Prozent und eine bemerkenswert niedrige Cost-Income-Ratio von 17,5 Prozent. Die CET1-Quote lag bei 18,4 Prozent. Edison Investment Research errechnete auf Basis des GDR-Kurses vom 13. April 2026 für 2026 ein erwartetes KGV von 4,6 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,1.

Allerdings muss bei diesem Research ausdrücklich erwähnt werden: Halyk Bank ist Research-Kunde von Edison. Die Analyse ist deshalb nützlich für Zahlen und Modellannahmen, sollte aber nicht wie unabhängiges Sell-Side-Research behandelt werden. Edison selbst weist darauf prominent hin.

Auch bei Halyk ist 2026 nicht einfach eine lineare Fortsetzung der Rekordjahre. Im ersten Quartal sank der den Stammaktionären zurechenbare Gewinn um 14,6 Prozent auf 234,8 Milliarden Tenge, die annualisierte ROE fiel von 34,6 auf 25,9 Prozent. Hintergrund waren unter anderem höhere Mindestreserveanforderungen, höhere Refinanzierungskosten und eine strengere Regulierung des Konsumentenkreditgeschäfts.

Damit wird Halyk für mich aber nicht unattraktiv. Im Gegenteil: Eine Bank mit dominanter Marktposition, niedrigen Kosten, hoher Kapitalisierung und international handelbaren GDRs ist im Frontier-Market-Universum ungewöhnlich. Entscheidend ist nur, dass der Investor nicht dauerhaft 30 bis 35 Prozent ROE als Normalzustand unterstellt.

Wichtig: Die Halbjahreszahlen 2026 werden erst am 18. August 2026 veröffentlicht und waren bei Abschluss dieses Beitrags daher noch nicht verfügbar.

Kaspi.kz – Kasachstans außergewöhnlichstes Unternehmen

Kaspi.kz – Nasdaq: KSPI

Kaspi ist eigentlich keine Bankaktie mehr. Das Unternehmen kombiniert Zahlungsverkehr, Konsumentenkredite, Marketplace, E-Commerce und weitere digitale Dienstleistungen in einer Super-App. Gerade Kaspi zeigt, dass Kasachstan nicht ausschließlich als Rohstoff- oder Bankenmarkt betrachtet werden sollte.

Im ersten Quartal 2026 stieg das E-Commerce-GMV pro forma und währungsbereinigt um 41 Prozent, die Zahl der Käufe um 43 Prozent. Das gesamte Marketplace-GMV erreichte 2,2 Billionen Tenge beziehungsweise rund 4,5 Milliarden Dollar. Das Zahlungsvolumen stieg um 14 Prozent auf 11,4 Billionen Tenge. Der Konzernumsatz legte um 31 Prozent zu, das bereinigte EBITDA um 9 Prozent; der Nettogewinn blieb mit 252 Milliarden Tenge dagegen nahezu unverändert.

Besonders spannend – und gleichzeitig das größte neue Risiko – ist die Expansion in die Türkei über Hepsiburada. Die Türkei macht inzwischen rund die Hälfte des E-Commerce-GMV von Kaspi aus. Damit verwandelt sich Kaspi vom kasachischen Champion in einen internationalen Plattformkonzern. Das erhöht die langfristige Wachstumschance erheblich, aber auch Integrations-, Währungs- und Ausführungsrisiken.

Freedom Broker bewertete die Q1-Zahlen im Mai nur als neutral und hob sein Kursziel lediglich von 87 auf 88 US-Dollar an; die Empfehlung blieb „Hold“. Als Risiken nannte der Broker insbesondere steigende Finanzierungskosten und den Margendruck durch die Integration von Hepsiburada.

Das ist inzwischen ein interessanter Kontrast: Am 13. August notierte Kaspi an der Nasdaq bei 99,46 Dollar. Das damalige Freedom-Kursziel liegt also bereits deutlich unter dem aktuellen Kurs. Kaspi ist damit im Vergleich zu Halyk oder Bank CenterCredit nicht mehr primär eine klassische „billige Kasachstan-Aktie“. Hier bezahlt der Investor zunehmend für Wachstum, Technologie und die Chance, das Geschäftsmodell außerhalb Kasachstans zu replizieren.

Für mich ist Kaspi deshalb qualitativ vielleicht das außergewöhnlichste kasachische Unternehmen – aber nicht zwingend die offensichtlich billigste Aktie.

KazMunayGas – der direkte Öl- und Cashflow-Play

KazMunayGas – KASE: KMGZ, AIX: KMG

Bei KazMunayGas ist die Investmentstory deutlich klassischer. KMG ist der nationale integrierte Öl- und Gaskonzern und deckt Förderung, Transport, Raffinerien und Handel ab. Die Aktie wird lokal an KASE und AIX gehandelt.

Trotz eines deutlich niedrigeren durchschnittlichen Brent-Preises von 69,10 Dollar je Barrel erzielte KMG 2025 einen Umsatz von 9,37 Billionen Tenge und steigerte das EBITDA um knapp 20 Prozent auf 2,39 Billionen Tenge. Besonders interessant ist der Free Cashflow von 1,23 Billionen Tenge. Gleichzeitig sank die Nettoverschuldung von 1,16 Billionen auf nur noch 375 Milliarden Tenge.

Ein wesentlicher Teil des Werts steckt in Joint Ventures und Beteiligungen. Allein die Dividendenzuflüsse von JVs und assoziierten Gesellschaften stiegen 2025 um gut 40 Prozent auf 985 Milliarden Tenge; davon kamen 684 Milliarden von Tengizchevroil und 144 Milliarden vom Caspian Pipeline Consortium.

Freedom Broker setzte nach den Q1-Zahlen im Juni ein Kursziel von 39.100 Tenge und empfahl die Aktie zum Kauf. Damals entsprach das rund 21 Prozent Potenzial. Da KMG Mitte August bereits bei ungefähr 34.750 Tenge handelt, wären es zum unveränderten Kursziel inzwischen nur noch etwa 12 bis 13 Prozent. Broker-Kursziele sollte man ohnehin nicht mit einem inneren Wert verwechseln.

Das zentrale Risiko bleibt die Geografie. Ein großer Teil der kasachischen Ölexporte läuft über russisches Territorium und insbesondere über das CPC-System zum Schwarzen Meer. Technische Störungen, Sanktionen oder geopolitische Konflikte können deshalb auch ein eigentlich hervorragend laufendes Ölgeschäft treffen. Hinzu kommen staatlicher Einfluss, regulierte Inlandspreise und hohe Investitionsanforderungen.

KMG ist für mich deshalb weniger ein „sicherer Dividendenwert“ als eine Kombination aus Ölpreiswette, Beteiligungswert und starkem Cashflow bei momentan sehr solider Bilanz.

Zwei weitere Aktien, die auf die Watchlist (bei mir ins Depot) gehören

Kazatomprom – London: KAP

Kazatomprom darf in einer Betrachtung Kasachstans eigentlich nicht fehlen. Die GDRs werden in London gehandelt und ermöglichen damit einen wesentlich einfacheren internationalen Zugang als viele lokale Aktien.

Im ersten Quartal 2026 stieg die Uranproduktion auf 100-Prozent-Basis um 9 Prozent auf 6.144 Tonnen Uran, während der von der Gruppe realisierte Durchschnittspreis um 12 Prozent auf 61,33 Dollar je Pfund U3O8 zulegte. Die Verkaufsmengen schwanken von Quartal zu Quartal erheblich und lagen im Q1 deutlich unter Vorjahr, weshalb einzelne Quartale hier nur begrenzt aussagekräftig sind.

Kazatomprom ist letztlich eine konzentrierte Wette auf Uran, Kernenergie und langfristige Versorgungsverträge – mit den zusätzlichen geopolitischen und logistischen Risiken Zentralasiens.

Air Astana – London/KASE/AIX: AIRA

Air Astana bietet dagegen eine Möglichkeit, direkt auf steigenden Wohlstand, Tourismus und Kasachstans Entwicklung zum Luftverkehrsdrehkreuz zwischen Europa und Asien zu setzen. Die Aktie wird sowohl in London als auch in Kasachstan gehandelt.

Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings sehr gut, warum man auch hier nicht nur auf Wachstum schauen sollte. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen Umsatz und sonstige Erträge zwar um 16,1 Prozent auf 763,9 Millionen Dollar, das EBITDAR sank jedoch um 9,7 Prozent auf 141,7 Millionen Dollar. Höhere internationale Treibstoffkosten und Probleme mit Pratt-&-Whitney-Triebwerken belasteten die Profitabilität.

Air Astana ist deshalb für mich momentan eher eine interessante Beobachtungsposition als ein so klarer Investmentcase wie Halyk, CCBN oder Kazatomprom.


Halyk Bank bietet Marktführerschaft, hohe Kapitalrenditen und eine internationale Börsennotierung zu weiterhin niedrigen Bewertungsmultiplikatoren. Bank CenterCredit ist spekulativer und illiquider, erscheint aber fundamental noch günstiger. Kaspi.kz ist der Wachstums- und Technologiecase – inzwischen allerdings zu einer Bewertung, bei der die internationale Expansion funktionieren muss. KazMunayGas bietet Zugang zu Öl, Beteiligungen und hohen Cashflows bei erheblich verbesserter Bilanz. Kazatomprom ist eine der direktesten Möglichkeiten, auf den langfristigen Uranzyklus zu setzen. Und mit Unternehmen wie KTZ könnten künftig zusätzliche Sektoren wie Transport und Logistik investierbar werden.

Damit entsteht langsam etwas, das viele kleinere Frontier Markets nicht bieten: eine echte Auswahl unterschiedlicher Investmentthesen innerhalb eines einzigen Landes.

Auch Kasachstan ist nichts für Anleger, die politische Risiken, Fremdwährungen oder illiquide Märkte grundsätzlich vermeiden wollen. Wer diese Risiken jedoch bewusst eingeht, einzelne Unternehmen gründlich analysiert und bereit ist, auch direkt an lokalen Börsen zu handeln, findet hier einen der interessantesten Aktienmärkte Zentralasiens.

Und genau das ist der wichtigste Punkt: Sobald Kasachstan irgendwann problemlos in jedem Standarddepot vertreten ist und von Dutzenden westlichen Analysten gecovert wird, ist ein erheblicher Teil der heutigen Bewertungsanomalien bereits verschwunden. Ein echter Ostinvestor steigt vorher ein. Nimmt diese rasanten Gewinne mit und verkauft dann teuer an die Nachzügler.

Ich war lange „draussen“, habe aber in den letzten 2 Jahren wieder verstärkt in diverse kasachische Unternehmen investiert. Seit Anfang 2026 habe ich meine Positionen deutlich ausgebaut.

,